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Kostümbild – Der Stoff, aus dem die Kinoträume sind

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Visual & Special Effects – Der Griff in die Trickkiste

Die Jagd nach dem Außergewöhnlichen

Wie Bernd Eichinger über fünfzehn Jahre lang seinen Traum verfolgte, DAS PARFUM zu verfilmen

„Da gab es keine Zweifel. Das Buch musste man haben. Und dann musste man es schaffen, einen Film daraus zu machen, der gut genug ist, um dem Buch gerecht zu werden."

Interview mit Bernd Eichinger

In der Schwabinger Künstlerszene der achtziger Jahre waren der

Produzent Bernd Eichinger und der Schriftsteller Patrick Süskind gut

befreundet. Aber selbst Eichinger wusste nicht, was Süskind damals

schrieb: Es war die Geschichte eines Mörders mit übernatürlichem

Geruchssinn, die 1985 zum Weltbestseller werden sollte: DAS PARFUM. Schon beim ersten Lesen wusste Eichinger: Dieses Buch muss ich verfilmen.
Die

Rechte waren allerdings unverkäuflich. Fünfzehn Jahre lang – egal wer

nachfragte. Nur Eichinger gab keine Ruhe, bis er seine Vision dieses

Films verwirklichen konnte.

Die Szene
Das

heranwachsende Waisenkind Grenouille (Ben Whishaw) geht durch eine

chaotische Pariser Straßenszene des 17. Jahrhunderts und saugt von

überall her gierig die Düfte ein. Seine übernatürlichen Sinne speichern

jeden Gestank und jeden Wohlgeruch. Am Ende führt ihn seine Nase vor die

Parfümerie Pellisier – und auf einmal weiß er, welchen Beruf er

ergreifen wird.

___________________________________________________

Wie war es, als Sie den Roman DAS PARFUM zum ersten Mal in Händen hielten? Hatten Sie damals schon Film-Bilder im Kopf?

Patrick Süskind war damals [Anfang der Achtzigerjahre, Anm. d. Red.]

ein sehr enger Freund von mir. Und das Witzige war, wir wussten alle

nicht, dass er überhaupt einen Roman schreibt. Immerhin hat das ja fünf

Jahre in Anspruch genommen. Er hat hauptsächlich in Paris geschrieben,

da hat er so eine kleine Bude gehabt. Ich habe das also nicht gewusst

und habe das Buch auch erst an dem Tag gekauft, an dem es im Buchladen

war. Und – soweit ich mich erinnern kann – in einem Zug gelesen. Ich

fand das... also ich will jetzt nicht übertreiben, aber ich würde mal

sagen: Es war eines der Bücher, die mich am allermeisten erstaunt haben –

von allen, die ich je gelesen habe.
Die Frage, ob da sofort Bilder

im Kopf entstanden sind, kann ich nicht wirklich beantworten.

Wahrscheinlich entstanden Bilder. Aber wahrscheinlich entstehen Bilder

bei jedem Leser, nicht nur bei Leuten, die Filme machen. Durch die

Beschreibung, die einem das Buch anbietet, stellt man sich natürlich

auch die Dinge vor. Die Idee, das Buch zu verfilmen, hatte ich natürlich

sofort, als ich es zugemacht habe. Man sucht als Produzent oder

überhaupt als Filmemacher ja das Außergewöhnliche, man versucht

möglichst ein Unikat zu bekommen. Was selten genug passiert. Und eben

weil es so selten ist, ist es das wonach man sucht. Der Moment ist

extrem aufregend, wenn man was gesehen oder gelesen oder erlebt hat, von

dem man sagt: Das ist außergewöhnlich. Das ist immer der Beginn, bei

mir jedenfalls, über einen Film nachzudenken. Nach der Lektüre des

PARFUMS war mir klar: Das ist ein absolutes Unikat. Und das alleine hat

schon ausgereicht um zu sagen: Das muss man probieren, das zu verfilmen.

Es gab aber auch sofort Leute, die gesagt haben: Dieses Buch ist unverfilmbar!

Die gibt es immer. Die Leute haben auch gesagt, DIE UNENDLICHE GESCHICHTE sei unverfilmbar. Oder DER NAME DER ROSE. Beim PARFUM

ist folgendes passiert: Die Leute dachten, man kann im Film keine

Gerüche darstellen. Aber muss ich sagen, der Gedanke kam mir gar nicht.

Denn das Buch riecht ja auch nicht. Patrick Süskind hat ja auch Gerüche

dargestellt, mit der Gewalt seiner Worte. Und wir hatten halt Bilder und

Töne, um das herzustellen, was sehr viel schwieriger ist.
Schwer

verfilmbar an dem Buch war eher die Tatsache, dass es überhaupt keinen

Helden anbietet. Es hat auch keinen normalen Konflikt zwischen Gut und

Böse. Oder überhaupt einen Konflikt. Das Buch hat keinen, wenn man es so

will, psychologischen Leitfaden, auch keine moralische Grundlage, die

fast jeder Film braucht. Die Dramaturgie eines Stücks – egal ob es ein

Theaterstück, ein Buch oder ein Film ist – besteht ja darin, dass

Konflikte entstehen, meistens durch die Wünsche oder Absichten, die

seine Protagonisten haben. Und durch die Schwierigkeiten der

Protagonisten, ihre Mission durchzustehen. Dadurch identifiziert man

sich sofort mit der Person und kann mitgehen.
Beim PARFUM aber haben

wir eine völlig autistische Person, also Grenouille, der eigentlich gar

nichts redet. Und wenn er redet, dann bestimmt nicht von sich selber,

weil er ja über seine Psychologie keine Vorstellung hat. Er ist nicht

nur autistisch, er hat auch tatsächlich nichts, was man im Sinn einer

Identifikation ergründen könnte – also keine Natur, die man ergründen

könnte. Die Begriffe, die aus der Moral kommen, sind ihm nicht geläufig.

Weil er nicht unmoralisch ist, sondern amoralisch. Es ist nicht

innerhalb seines Konzepts, überhaupt Moral zu empfinden. Außerdem nimmt

er die ganze Welt nur durch Gerüche wahr. Das heißt: Alles, was nicht

riecht, existiert für ihn nicht.
Es ist schwer, daraus eine Figur zu

machen, der man folgen will, denn das ist ja immer wichtig. Man muss

trotzdem der Figur folgen, obwohl sie grausige Sachen macht – also

schöne Mädchen umbringt, und ihnen in ganz schlimmen Verfahren den

Körpergeruch entzieht, und so fort. Es ist schwer, daraus etwas zu

machen, das im weitesten Sinne eine Geschichte ist – und nicht nur eine

Aneinanderreihung von Ereignissen. Was wir die „Und-dann-Dramaturgie“

nennen: Und dann passiert das, und dann passiert das, und dann passiert

das. Das ist überhaupt keine Dramaturgie, das ist mehr wie ein Fotoalbum

anschauen. Eine dramaturgische Komponente reinzubekommen, damit

Spannung überhaupt entstehen kann, und eben ein Funken Identifikation,

das war schwierig. Wir haben dann auch fast darauf verzichtet – und

Identifikation durch Faszination ersetzt. Wir haben versucht, dieser

Figur – so schräg und verrückt sie auch ist – eine Faszination zu geben.

Und den Zuschauer einzuladen, sie gewissermaßen als Faszinosum zu

betrachten.

Sie haben sich bereits 1985 sehr schnell um die Rechte beworben. Was ist dann passiert?

Ganz einfach, Patrick Süskind hat sich verweigert. Nicht nur mir. Er

hat sich überhaupt verweigert, die Rechte zu verkaufen. Er hat sehr,

sehr viele Angebote aus der ganzen Welt bekommen, die er einfach

ausgeschlagen hat. Da war nichts zu machen. Da kannte ich ihn gut genug,

um zu wissen: Wenn er so etwas sagt, dann meint er das auch. Und allen

Stories, die so kursieren, zum Trotz: Ich bin auch nicht in ihn

gedrungen. Ich habe einfach gesagt: Na ja, gut, da gibt es jetzt nichts

zu tun. Aber wie man weiß, kann die Zeit die Dinge auch ändern. Nach

fünfzehn Jahren war es dann so, dass ich vom Verlag gehört habe, dass

jetzt doch eine Möglichkeit da wäre. Wenn man sich jetzt schnell einig

würde. Ich bin dann von Los Angeles nach Zürich geflogen, wo der

Diogenes Verlag sitzt. Da konnte ich das dann abschließen. Dann habe ich

knapp vier Jahre gebraucht, um den Film herzustellen.

Wie schnell haben Sie das Geld für die Rechte aufgetrieben?

Ja, das Geld... Das Problem war, dass ich damals Vorstandsvorsitzender

der Constantin Film AG war. Ich konnte das Geschäft natürlich

abschließen – aber anschließend musste ich zum Aufsichtsrat gehen und

mir das bestätigen lassen. Der Aufsichtsrat hat es nicht bestätigt (lacht).

Weil man dort der Meinung war, dass der Preis zu hoch gewesen sei. Dann

bin ich halt zu meiner Bank gegangen und habe gesagt, ich brauch das

Geld – und habe die Rechte privat gekauft.

Mit großem persönlichen Risiko. Gab es da Zweifel?

Nein, nein. Also bei so etwas hat man keine Zweifel, da gibt es keine

Zweifel. Das Buch muss man haben. Mann muss dann nur schaffen, einen

Film daraus zu machen, der gut genug ist, um dem Buch gerecht zu werden.

Und natürlich auch gut genug, um den Leuten das Zutrauen zu geben,

hineinzugehen. Und gut genug, damit die Leute rauskommen und den Film

weiterempfehlen. Das ist immer die Frage, ob man einen Film so

hinkriegt, wie man ihn haben will. Aber man geht davon aus – sonst muss

man es bleiben lassen. Das Filmemachen, meine ich.

Wie hoch war das Risiko für Sie?

Naja, ich will jetzt keine Zahlen nennen, aber das finanzielle Risiko

ging weit über meine Verhältnisse, um es mal so zu sagen. Aber das bin

ich gewohnt. Ich bin mehrmals in meinem Leben in finanzielle Engpässe

gekommen durch Filme, das hat mich nie besorgt gemacht. Das Wichtigste

ist, dass man gute Stoffe hat. Dann muss man das Selbstvertrauen

aufbringen, das auch zu zeigen, und alles zum guten Ende führen. Später

war es dann so, als das Projekt Gestalt annahm, hat die Constantin die

Rechte nachträglich wieder von mir erworben. Und ich habe den Film für

die Constantin gemacht. Das wollten sie dann doch nicht, dass ich jetzt,

ich sage mal, den Film für Twentieth Century Fox oder Warner Brothers

mache. Das kam ihnen komisch vor. Und dann haben sie es doch noch

gemacht.

Das Gespür, dass die Zuschauer am Ende kommen werden, hat sie das nie verlassen? Hat alles immer funktioniert, was Sie sich ausgedacht haben?

Nein, es hat nicht

immer funktioniert. Das weiß man auch nicht. In aller Regel sind die

größeren Unternehmungen, die ich gemacht habe, auch kommerzielle Erfolge

gewesen. Aber mir ist nicht immer alles gelungen, keineswegs. Es

arbeiten so viele Leute an einem Film, das ist nicht alles

kontrollierbar. Manchmal stimmt die Chemie einfach nicht zwischen den

Leuten, und wenn die Chemie allein zwischen Produzenten und Regisseur

nicht stimmt, dann ist es aus. Dann können sie gar nichts mehr machen.

Auch wenn jeder besten Willens ist und sein Bestes gibt – es geht nicht.

Also das ist der Horror. Meistens merkt man es aber vorher und kann

sich dann verständigen. Also mir ist es viermal passiert – und viermal

vor dem Drehen, Gott sei Dank – dass man sich irgendwie in die Augen

schaut und sagt, das geht nicht, lassen wir es. Vielleicht beim nächsten

Mal.

War es schwierig, die richtigen Leute für den Film zusammenzubringen, als es los ging?

Das ist immer schwierig, das ist das Schwierigste überhaupt. Das ist

auch einer der Gründe, warum ich zunehmend mehr als Autor tätig bin. Ich

habe beim UNTERGANG das Drehbuch geschrieben, ich habe für das PARFUM

das Drehbuch in wesentlichen Teilen geschrieben, zusammen mit Andrew

Birkin und Tom Tykwer – und beim BAADER-MEINHOF-KOMPLEX auch. Das ist so

eine der Erfahrung, die man macht – dass es manchmal sehr, sehr lange

dauert – oder zu lange dauert – mit Autoren den Stoff zu erarbeiten.

Auch beim PARFUM war es so. Ich habe drei oder vier Autoren verschlissen

und bin keinen Schritt weitergekommen. Von den vier Jahre

Produktionszeit sind anderthalb, vielleicht sogar zwei Jahre durch

vergebliche Drehbucharbeit verlorengegangen. Da habe ich mich

entschlossen, das mit Andrew Birkin zu machen, mit dem ich ja schon mehr

gemacht hatte – DER NAME DER ROSE hat

er auch geschrieben für mich. Andrew und ich haben eine Fassung

geschrieben. Dann habe ich mich für Tom Tykwer als Regisseur

entschieden. Tom ist ein guter Autor, wenn er am richtigen Projekt

sitzt, und Tom hat auch noch mal sehr wichtige Dinge dazu beigetragen.

Zu Dritt haben wir es gestemmt. Wenn man den Film sieht und das Buch

kennt, würden man jetzt denken, dass es gar nicht so schwierig war. Weil

man gar nicht bemerkt, dass sich zwischen Film und Buch großartig was

geändert hat. Und man will ja – dass es überhaupt gar keiner merkt.

Trotzdem ist es so, dass der Film mit dem Buch kaum mehr was zu tun hat.

Das ist das Verrückte dabei.

Wir zeigen eine Straßenszene in Paris, wo Grenouille den ganzen Reichtum der Düfte wahrnimmt – welcher Moment ist das im Film?

Die Szene, in der Grenouille durch diese Pariser Straße geht und dort

die Düfte aufsaugt, ist eine der ganz großen Schlüsselszenen des Films.

Es ist das erste Mal, dass Grenouille überhaupt in seinem Leben in eine

Situation kommt, wo er Gerüche wahrnimmt, die er bisher noch nie

gerochen hat. Er kommt ja aus dem Dreck, aus der Armut, er kennt ja

sozusagen nur die üblen Gerüche, wenn man so will. In dieser Straße aber

wird er mit einer Vielzahl, mit einem Millionenfachen an Duftmengen

konfrontiert. Es ist das erste Mal, dass Grenouille diese Wahrnehmung

auch für den Zuschauer verständlich machen kann. Er nimmt seine ganze

Welt nur über Gerüche wahr. Und deswegen ist das auch relativ

ausführlich und sehr detailliert gemacht. Ich hoffe, dass der Zuschauer

hier merkt: Ach so, klar, der sieht das eigentlich alles gar nicht. Also

er geht nicht sehenden Auges durch die Welt, sondern riechend – er geht

mit riechender Nase durch die Welt. So müsste man das sagen.

Aus der Sicht des Produzenten: Was war besonders schwierig an dieser Szene?

Bei Produzenten kann man ja meistens nicht einschätzen, was die

eigentlich tun. Das Klischee, das mir immer einfällt, ist so ein kleiner

glatzköpfiger Mensch mit einer großen Zigarre hinter einem riesigen

Schreibtisch, der irgendwie mit Geld um sich schmeißt und meistens mit

einer schönen Schauspielerin verheiratet ist, oder sowas. Bei mir ist es

nicht so, dass ich viel am Schreibtisch sitze. Insofern gibt es für

mich keine Sicht des Produzenten – es gibt die Sicht des Filmemachers.

Meine Arbeit ist hauptsächlich, Leute zusammenzubringen, das heißt die

Autoren, den Regisseur, die Schauspieler, also das Team

zusammenzustellen. Das ist sozusagen die Hauptaufgabe. Beim Drehen

selbst muss der Regisseur das in Szene setzen, das ist klar. Je nach

Größe des Projekts und der Schnelligkeit, mit der man auch arbeitet, ist

es für den Regisseur oft gut, wenn er einen Produzenten, dem er

vertraut, am Drehort hat. Das muss aber nicht sein. Die "Muster", wie

wir das nennen – also das was am Tag gedreht worden ist – das kann ich

auch anschauen, wo immer ich bin, und am Abend mit dem Regisseur noch

eine Stunde telefonieren.
Das Schwierige war also nicht die einzelne

Szene für mich, sondern – das meine ich jetzt gar nicht böse, auch wenn

es so klingen mag – dass der Film nicht so ein "Arthouse-Movie" wird,

sondern populären Appeal hat. Man könnte den Film auch als

"Arthouse-Movie" machen, wäre vielleicht auch interessant. Aber das geht

natürlich nicht, wenn man 60 Millionen Dollar ausgibt, das hätte mich

auch nicht interessiert. Ich wollte das Populäre behalten, obwohl der

Stoff sehr schräg ist. Gleichzeitig wollte ich das Außergewöhnliche des

Romans schützen, weil es auch verrückt wäre, das nicht zu tun. Man hat

etwas Außergewöhnliches und will das bewahren, ist ja klar.

Die Straße in Paris, wie wurde das im Einzelnen gedreht?

Die Straße im Film ist in der Altstadt von Barcelona. Wir haben sehr

viel in Barcelona gedreht – und Barcelona mit den Austattern so

umgebaut, dass es für uns zum Paris des 18. Jahrhunderts wurde. Es hätte

nichts genutzt, nach Paris selbst zu gehen. Das Paris, das wir heute

kennen, ist ein neues Paris mit relativ breiten Straßen und Chausseen,

das hat es damals nicht gegeben. Es waren sehr enge, letztlich sehr

verdreckte Straßen. Auch die großen Straßen waren, wie soll ich sagen –

nicht Chausseen oder gepflastert, sondern im Prinzip sehr verdreckte,

man würde heute fast sagen Seitenstraßen. Der Dreh erforderte natürlich

sehr viel Vorbereitung. In der Straße in Barcelona sind überall

Geschäfte, mit denen mussten wir natürlich reden und die umdekorieren.

Man musste Läden daraus machen, die Mitte des 18. Jahrhunderts in Paris

denkbar waren. Im Studio in München hatten wir die Parfümerie gebaut, in

der Grenouille ausgebildet wurde. Die sieht man hier aber nicht. Die

Parfümerie in dieser Szene haben wir in Barcelona gefunden, die wurde in

ein bestehendes Geschäft hineingebaut.

Was hat Sie auf dem Weg zum PARFUM geleitet?

Ich durfte das, was mich an dem Buch fasziniert hat, auf gar keinen

Fall verlieren. Das geht damit los, dass ich einen Drehbuchautor habe,

und der findet andere Dinge faszinierend als ich, dann muss ich mich

eigentlich schon von dem trennen. Dann geht schon der erste Schritt in

die falsche Richtung. Vielleicht versucht er etwas zu glätten, was ich

auf gar keine Fall geglättet sehen will. Dann sagt er, das funktioniert

beim Publikum aber nicht, und ich sage, ich kann das nicht opfern. Ich

weiß nur, dass das Buch sehr wohl funktioniert hat, und es hat auch bei

mir funktioniert, also in meinem Herzen und meiner Seele. Jetzt muss ich

dieses Außergewöhnliche behalten, das ist immer der Kampf beim

Filmemachen. Man muss ganz hart an der Kante sein und sehr

außergewöhnlich sein, aber man darf das Publikum nicht entfremden. Das

ist die Kunst, dass man auf der einen Seite das Ungewöhnliche nicht als

Barriere ansieht, sondern als Freund. Das man versteht, das zu umarmen,

also auf jeden Fall reinzunehmen, aber eben in irgendeiner Weise

verständlich machen. Das ist die Kunst – und die Schwierigkeit.

Was zeichnet einen guten Filmproduzenten aus?

Er muss einen guten Blick für außergewöhnliche Stoffe haben, das ist

ganz, ganz wichtig. Er muss etwas vom Schreiben verstehen, das heißt

nicht notwendig, dass er schreiben muss. Aber er muss die Gabe haben,

ein gut geschriebenes Buch, einen gut geschriebenen Dialog von einem

weniger gut geschriebenen Dialog unterscheiden zu können, denn das hat

mit den Figuren zu tun. Und dann muss er, sagen wir, zumindest eine

Energie haben, positive Energie, um Leute für sein Vorhaben zu

interessieren.

Gibt es eine Produzentenleistung im deutschen Film, die Sie beeindruckt hat?

Man weiß ja nie wirklich genau, wer was gemacht hat. Also man kann

nicht sagen, das ist die Leistung des Produzenten, wenn der Film groß

ausschaut. Wenn sie ein gutes Projekt haben, kommt das Geld zu ihnen,

also müssen Sie erst einmal das gute Projekt haben. Und Sie müssen Ihr

Projekt auch für jeden verständlich, überzeugend darstellen können.
Aber

es gibt natürlich Filme, von denen ich weiß, dass sie große

produzentische Leistungen beinhaltet haben. Wie zum Beispiel VOM WINDE

VERWEHT. Den Film würde es nicht geben ohne David O. Selznick. Und den

Film würde es vor allem, so wie wir ihn kennen, nicht geben.
Außerdem fällt mir spontan DAS BOOT

ein. Der hat den deutschen Film im Ausland nicht nur bekannt gemacht,

sondern da wurde auch klar, dass wir auch populäre Filme machen können.

Die richtige Entscheidung war, den Film in deutscher Sprache mit

deutschen Schauspielern zu drehen, weil es eben eine deutsche Geschichte

ist. Dass da eben kein Kompromiss gemacht wurde, auch wenn er im

Ausland nur mit Untertiteln laufen kann. Aber das hat den Produzenten

Günter Rohrbach nicht abgeschreckt. Und es hat ihn auch nicht dazu

bewogen, den Film mit weniger finanziellen Mitteln auszustatten, als der

Film es gebraucht hat. Wenn der Film anders ausgeschaut hätte, wegen

fehlender Ausstattungsmittel zum Beispiel, dann wäre er nicht der Erfolg

geworden, der er geworden ist.

Was bedeutet Kino für Sie?

Wenn ich jetzt Österreicher wäre, würde ich sagen: Das ist für mich das Leiwandste!

Wenn sie nicht schon Produzent, Autor und Regisseur wären, welchen Beruf im Film könnten sie sich noch vorstellen? Und warum?

Nein, da kann ich mir keinen vorstellen. Selbst Regisseur bin ich ja

eigentlich nur, wenn es anders gar nicht anders geht. Und Autor

eigentlich auch. Mein Beruf ist der des Produzenten – und der ist mir

auch der liebste.

Das Interview führte Tobias Kniebe.

Bernd Eichinger wurde am 11. April 1949 in Neuburg an der Donau

als Sohn eines Arztes geboren. Nach dem Abitur nahm er 1970 ein Studium

im ersten Jahrgang der neugegründeten Hochschule für Fernsehen und Film

in München auf. Nebenher arbeitete er in verschiedenen Funktionen in den

Bavaria-Ateliers. 1973 schloss er die Regieklasse mit dem

Studienschwerpunkt Produktion mit dem 45-minütigen Film WEIHNACHTSMÄRCHEN ab, in dem er auch eine Hauptrolle spielte. In der

Folgezeit schrieb er Drehbücher und arbeitete als Produktionsleiter beim

Bayerischen Rundfunk/Fernsehen.

 

Im Jahr 1974 gründete Eichinger seine erste eigene Firma, die

Solaris-Filmproduktion. Er wurde bald zu einem der wichtigsten

Produzenten des Neuen Deutschen Films und produzierte unter anderem

Filme von Wim Wenders, Edgar Reitz, Roland Klick, Uschi Reich, Heidi Genée, H. J. Syberberg, Bernhard Sinkel und Hans W. Geissendörfer, dessen Film DIE GLÄSERNE ZELLE einen Bundesfilmpreis gewann und für den Oscar nominiert wurde.

 

 

1979 wurde Eichinger Mitinhaber und Chef der Constantin-Film, die er

in Neue Constantin umbenannte. Von nun an wählte er auch selbst die

Regisseure für seine Projekte aus. Als ersten großen Film adaptierte er

den dokumentarischen Bestseller CHRISTIANE F. – WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO für die Leinwand, auch mit Blick auf den internationalen Markt.

Regie bei dem äußerst kassenträchtigen Film führte Uli Edel,

der später auch LAST EXIT BROOKLYN inszenierte. Bei DAS BOOT, den

Eichinger verlieh, und DIE UNENDLICHE GESCHICHTE führte Wolfgang Petersen

die Regie. 1985/1986 realisierte er sein bis dahin ambitioniertestes

Projekt, die prestigeträchtige Verfilmung von Umberto Ecos

Mittelalter-Thriller DER NAME DER ROSE mit Jean-Jacques Annaud als

Regisseur.

 

 

1995 initiierte Eichinger mit dem Kirch-Sender SAT.1 eine Reihe mit

dem Titel "German Classics", die 1996/1997 Remakes vergangener

Kinoerfolge präsentierte. Er selbst inszenierte dabei "Das Mädchen

Rosemarie", weitere Filme waren "Die Halbstarken", "Charley's Tante" und

"Es geschah am hellichten Tag". Die Einschaltquoten blieben jedoch

hinter den Erwartungen zurück. Großen Erfolg hatte Eichinger hingegen im

Kino mit Helmut Dietls Gesellschaftssatire ROSSINI ODER DIE MÖRDERISCHE FRAGE, WER MIT WEM SCHLIEF.

 

 

Sein erstes Projekt als Kinoregisseur folgte 1999 mit DER GROSSE BAGAROZY mit Til Schweiger und Corinna Harfouch

in den Hauptrollen. Eichinger wechselte immer wieder zwischen auf den

deutschen Markt zugeschnittenen Filmen und großen internationalen

Projekten, so produzierte er 2001 den zweiteiligen Fernsehfilm "Vera

Brühne" mit Hark Bohm

als Regisseur, 2002 kam seine Computerspielverfilmung RESIDENT EVIL ins Kino, unter der Regie von Paul W.S. Anderson und mit Milla Jovovich

in der Hauptrolle. Ebenfalls Anfang der 2000er Jahre produzierte er die

Verwechslungskomödie 666 – TRAUE KEINEM MIT DEM DU SCHLÄFST und die

Pubertätskomödie KNALLHARTE JUNGS. Zu einem Kassenschlager und dem

erfolgreichsten deutschen Film seit Jahrzehnten entwickelte sich 2001 Michael "Bully" Herbigs Indianer-Parodie DER SCHUH DES MANITU.

 

 

Als Koproduzent war Eichinger 2003 an Caroline Links

mit dem Oscar gekrönten Drama NIRGENDWO IN AFRIKA beteiligt. Zu einem

immensen Kassenerfolg und für den Oscar als bester fremdsprachiger Film

nominiert – obwohl bei der deutschen Kritik höchst umstritten – wurde

2004 DER UNTERGANG unter der Regie von Oliver Hirschbiegel, eine aufwändige Rekonstruktion der letzten Tage des Dritten Reichs und Adolf Hitlers, mit Bruno Ganz in der Hauptrolle.

 

 

Nach Doris Dörries

Komödie DER FISCHER UND SEINE FRAU folgte 2006 mit der Verfilmung von

Michel Houellebecqs Skandalroman ELEMENTARTEILCHEN ein weiteres viel

beachtetes Projekt, inszeniert von Oskar Roehler.

 

 

Den als unverfilmbar geltenden Roman von Patrick Süßkind DAS PARFUM produzierte Eichinger mit Regisseur Tom Tykwer.

Neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen erhielt das opulente Werk

beim Deutschen Filmpreis 2007 die silberne Lola. Ebenso ambitioniert und

seit langer Zeit ein Wunschprojekt von Eichinger war die Verfilmung der

Geschichte der RAF, basierend auf Stefan Austs

Standardwerk DER BAADER MEINHOF KOMPLEX. In der Inszenierung von Uli

Edel kam der gleichnamige Film im September 2008 in die deutschen Kinos

und wurde 2009 sowohl für den Oscar als auch für den Golden Globe

nominiert.

 

 

Neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen im Laufe seiner Karriere

wurde Eichinger im Jahr 2010 beim Deutschen Filmpreis mit dem Ehrenpreis

für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

 

Völlig überraschend erlag Bernd Eichinger am 24. Januar 2011 im Alter von 61 Jahren in Los Angeles einem Herzinfarkt.

© filmportal.de

In Kooperation mit filmportal.de

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Bernd Eichinger

2012/2013 3096 Tage
Drehbuch
2012 Der Bernd
Mitwirkung
2009-2011 Die Superbullen
Produzent
2009/2010 Resident Evil: Afterlife
Produzent
2009/2010 Zeiten ändern Dich
Drehbuch, Produzent
2010 Lieben lernen
Mitwirkung
2007/2008 Der Baader Meinhof Komplex
Produzent, Drehbuch
2006/2007 Pornorama oder Die Bekenntnisse der mannstollen Näherin Rita Brauchts
Produzent
2007 Münchner (Filmfest-) Geschichten
Mitwirkung
2005/2006 DOA: Dead or Alive
Produzent
2005/2006 Le Parfum – Histoire d'un Meurtrier
Produzent, Drehbuch
2005/2006 Elementarteilchen
Produzent
2004/2005 Der Fischer und seine Frau
Produzent
2003/2004 Der Untergang
Drehbuch, Produzent
2003/2004 Hitlers letzte Tage. Der Film "Der Untergang"
Mitwirkung
2002/2003 Musen, Macht und Glamour - Die Welt der Maximilianstrasse
Mitwirkung
2002/2003 Die Klasse von '99 - Schule war gestern - Leben ist jetzt
Co-Produzent
2003 Werner - Gekotzt wird später!
Produzent
2001/2002 Wie die Karnickel
Produzent
2001/2002 Resident Evil
Produzent
2001/2002 Nackt
Produzent
2001/2002 666 Traue keinem mit dem du schläfst
Produzent
2001/2002 Knallharte Jungs
Produzent
2000/2001 Vera Brühne
Produzent
2001 Nirgendwo in Afrika
Co-Produzent
2000/2001 Der Schuh des Manitu
Produzent
2000/2001 Sass
Executive_Producer
2000 Bernd Eichinger. Wenn das Leben zum Kino wird
Mitwirkung
1999/2000 Harte Jungs
Produzent
2000 Schule
Co-Produzent
1998/1999 Der große Bagarozy
Drehbuch, Produzent, Regie
1998 Wrongfully Accused
Produzent
1997/1998 Opernball
Produzent
1997/1998 Der Campus
Produzent
1997/1998 Bin ich schön?
Produzent
1996/1997 Knockin' On Heaven's Door
Darsteller
1996 Es geschah am hellichten Tag
Drehbuch, Produzent
1996/1997 Frøken Smilla's fornemmelse af sne
Produzent
1996/1997 Die drei Mädels von der Tankstelle
Produzent
1997 Ballermann 6
Produzent
1996/1997 Prince Valiant
Executive_Producer
1996 Charleys Tante
Produzent
1996 Das Mädchen Rosemarie
Produzent, Regie, Drehbuch
1996 Die Halbstarken
Produzent, Drehbuch
1996 Hollywood, Germany - Die amerikanische Herausforderung
Mitwirkung
1995/1996 Das Superweib
Produzent
1995/1996 Und keiner weint mir nach
Produzent, Co-Produzent
1995/1996 Abbuzze!
Produzent
1995/1996 Werner - das muß kesseln!!!
Produzent
1994/1995 Vom Tatort zur Traumfabrik. Deutsche Filmemacher zurück in Hollywood
Mitwirkung
1994 Voll normaaal
Produzent
1994 Der bewegte Mann
Produzent
1992/1993 The Cement Garden
Executive_Producer
1992/1993 Body of Evidence
Co-Produzent
1993 The House of Spirits
Produzent
1991/1992 Salz auf unserer Haut
Produzent
1991/1992 Ein Fall für TKKG Drachenauge
Produzent, Produzent
1991 Manta Manta
Produzent
1989/1990 Werner - Beinhart!
Produzent
1990 Feuer, Eis & Dynamit
Produzent
1989 Letzte Ausfahrt Brooklyn
Produzent
1987/1988 Ich und Er
Produzent
1986/1987 Zabou
Co-Produzent
1986/1987 Der Unsichtbare
Co-Produzent
1985/1986 Der Name der Rose
Produzent
1985 Zahn um Zahn
Co-Produzent
1985 Der Formel Eins Film
Co-Produzent
1985 Drei gegen Drei
Produzent
1984/1985 King Kongs Faust
Darsteller
1983/1984 Die unendliche Geschichte
Produzent
1982-1984 Das Arche Noah Prinzip
Co-Produzent
1981-1984 Heimat. Eine Chronik in elf Teilen. 10. Teil: Die stolzen Jahre (1967 - 1969)
Darsteller
1983 Kehraus
Co-Produzent
1982/1983 Gib Gas - Ich will Spaß
Produzent
1981/1982 Der Tod in der Waschstraße
Produzent
1981/1982 Une glace avec deux boules
Co-Produzent
1980/1981 Stachel im Fleisch
Produzent
1980/1981 Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
Produzent
1980/1981 Trokadero
Produzent
1979/1980 Die Ortliebschen Frauen
Produzent
1978/1979 Geschichten aus dem Wiener Wald
Herstellungsleitung
1979 ...sonst würde das Kino sterben - Drei junge deutsche Filmproduzenten
Mitwirkung
1978/1979 Theodor Chindler
Produzent
1977/1978 Die gläserne Zelle
Herstellungsleitung
1977/1978 Taugenichts
Produzent, Co-Produzent
1977 Hitler. Ein Film aus Deutschland. 4. Teil: Wir Kinder der Hölle
Herstellungsleitung, Produzent
1977 Hitler. Ein Film aus Deutschland. 2. Teil: Ein deutscher Traum
Herstellungsleitung, Produzent
1977 Hitler. Ein Film aus Deutschland. 3. Teil: Das Ende eines Wintermärchens
Produzent, Herstellungsleitung
1977 Hitler. Ein Film aus Deutschland. 1. Teil: Der Graal
Produzent, Herstellungsleitung
1977 Die Konsequenz
Produzent
1977 Tauwetter
Co-Produzent
1976/1977 Grete Minde - Der Wald ist voller Wölfe
Produzent
1976/1977 Stunde Null
Herstellungsleitung
1977 Hitler - Ein Film aus Deutschland
Herstellungsleitung
1976 Die Wildente
Produzent
1975/1976 Der starke Ferdinand
Produktionsleitung
1975/1976 Ich heiß' Marianne, und Du...?
Produzent
1975/1976 Lieb Vaterland, magst ruhig sein
Produzent
1975 Michael oder Die Schwierigkeit mit dem Glück
Produzent
1975/1976 Umarmungen und andere Sachen
Co-Produzent
1974/1975 Weihnachtsmärchen
Darsteller, Regie, Drehbuch
1974/1975 Falsche Bewegung
Produzent
1973/1974 Die Eltern
Drehbuch
1973/1974 Perahim - die zweite Chance
Produktionsleitung, Drehbuch
1974 Karl May
Produktionsleitung
1973 Kidnapping
Regie, Drehbuch
1972 Der kleine Soldat
Produktionsleitung
1972 Canossa
Regie, Drehbuch
1971 Das erste Jahr
Produktionsleitung