DER KÖNIG DER KNARZENDEN TÜREN

Wie der Geräuschemacher Joern Poetzl jedem Film einen neuen Klang gibt

„Für die Geräusche habe ich echte Fußballstiefel geholt und Stollen reingedreht – aber da hören sie nichts. Also musste ich etwas erfinden."

Geräuschemacher Joern Poetzl über die Toneffekte in DAS WUNDER VON BERN

INTERVIEW zu DAS WUNDER VON BERN

 

Interview mit Joern Poetzl

Als der Regisseur Sönke Wortmann im Jahr 2003 seinen Fußballfilm DAS WUNDER VON BERN fertigstellte, vertraute er wie unzählige Filmemacher vor ihm auf die Dienste eines speziellen Künstlers: Joern Poetzl. Der Münchner Geräuschemacher ist kreativ wie kein anderer, wenn es darum geht, Bilder auf besondere Weise zum Klingen zu bringen. Das Klacken von Stollenschuhen in den Gängen eines Fußballstadions, ein Freistoß im Regen, der Sound eines Lattenknallers – diese Geräusche entstanden nicht bei den Originalaufnahmen des Films. Mit seinem riesigen Arsenal skurriler Ton-Utensilien hat Joern Poetzl sie neu erfunden.

Die Szene
Wankdorf-Stadion, Bern, 4. Juli 1954. Die deutsche Mannschaft, geführt von Fritz Walter (Knut Hartwig), läuft zum Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft ins Stadion ein, auf der anderen Seite die Ungarn. Man beachte, wie unterschiedlich die jeweiligen Fußballstollen auf dem Beton klingen. Beim folgenden Zusammenschnitt von Spielszenen hört man Nieselregen, das Aufklatschen einer Münze auf der Hand des Schiedsrichters, Schüsse mit dem Lederball, spritzende Pfützen, das Scheppern der Latte – alles Geräusche aus der Werkstatt von Joern Poetzl.

Der Künstler
Seit vierzig Jahren ist der Münchner Joern Poetzl Geräuschemacher. Mit den Soundeffekten für deutsche Synchronfassungen von Serien wie BONANZA stieg er ins Geschäft ein – "Fabrikarbeit", wie er heute sagt. Seit Mitte der achtziger Jahre bearbeitet er große Kinoproduktionen, bei denen er mehr experimentieren kann. Werner Herzogs COBRA VERDE und Percy Adlons ROSALIE GOES SHOPPING gehören zu den ersten. Die Liste seiner Filme wächst seitdem ständig, sie reicht von DER BEWEGTE MANN über LOLA RENNT und GOOD BYE, LENIN! bis hin zu DAS LEBEN DER ANDEREN.

Kommentare

#1
Chung Yin Tang (01.06.2008 17:01)
Kurzkritik
Meiner Meinung nach ist dieser Filmabschnitt gut ausgewählt worden. Zwar geht es in den Film nicht nur um Fußball(sondern auch um die Nachkriegszeit, die Versöhnung zwischen Vater und Sohn und auch um Geschlechterrollen, da die Mutter des Sohnes die Vaterrolle übernommen hat) doch man merkt, dass dieser Filmabschnitt ein wichtiger Teil vom Film ist. Ich finde auch die Gestaltung der Seite sehr gut, weil sie schlicht und einfach ist. Man findet sich auf der Seite schnell zurecht und mit den Anmelden etc. hat es auch sehr schnell geklappt. Schade finde ich aber, dass man hier den Flashplayer downloaden muss, denn es ging zum Teil bei manchen nicht. Verbesserungswürdig wäre die Kürzung des Interviews, denn dieses ist viel zu lang, auch wenn es viele Information enthält. Man würde sich das Interview gar nicht zu Ende angucken, wenn man sich nicht grad dafür interessiert oder analysieren muss. Insgesamt hat mir die Präsentation trotzdem positiv beeindruckt, denn ich habe gelernt, dass es sehr viel Arbeit bedeutet, einen guten Film zu produzieren, weil man wirklich auch alles beachten muss.