Die Unübersichtlichkeit des Raumes

Wie Uli Hanisch eine Wohnung entwickelt, die den orientierungslosen Seelenzustand ihrer Bewohner widerspiegelt.

„Für mich ist es völlig egal, ob es sich um einen historischen oder zeitgenössischen Film handelt. Es geht beim Szenenbild immer darum, dass man die Geschichte dramaturgisch begleitet, sie anfassbar macht.”

Uli Hanisch über ANONYMA

INTERVIEW zu ANONYMA

Interview mit Uli Hanisch

Rechte Winkel mag er nicht. Er benutzt sie kaum noch, weil es für die Kamera kaum etwas Langweiligeres gibt, als ein Rechteck zu filmen. Die architektonischen Gesetze sind die geringste Sorge dieses Filmarchitekten. Er weiß, dass er fürs Kino imaginäre Räume schaffen muss. Seine Szenenbilder für ANONYMA - EINE FRAU IN BERLIN und andere Filme verraten eine Lust an der subtilen Deformation und Verzerrung von Dekors. Atmosphäre entsteht bei Hanisch aus stimmungsvollen Räumen, die sich für ausgeklügelte, ungewohnte Perspektiven öffnen. Er lädt sie emotional auf, damit sie die jeweilige Geschichte transportieren.

 

 

Die Szene

Berlin, 1945: Anonyma kehrt in ihre Wohnung zurück. Dort erwartet sie der russische Major, bei dem sie sich über die Vergewaltigung von deutschen Frauen durch russische Soldaten beschwert hat. Er besorgt ihr Seife und Wasser für ein Bad. Nachdem sie gebadet hat nimmt sie fälschlicherweise an, dass er eine Gegenleistung von ihr erwartet.

 

 

Der Künstler

Obwohl er 1967 in Nürnberg geboren wurde, ist Uli Hanisch ein gelernter Nordrheinwestfale. Dort, genauer in Düsseldorf, hat er visuelle Kommunikation studiert und dann zunächst als Grafiker in der Werbung gearbeitet. Auch die ersten und die wichtigsten Regisseure, für die er als Production Designer arbeitet, stammen von Rhein und Ruhr: Christoph Schlingensief, Sönke Wortmann, Helge Schneider; 1996 beginnt mit WINTERSCHLÄFER die enge Zusammenarbeit mit Tom Tykwer. Er hat nicht nur Dekor und Requisiten der Harald-Schmidt-Show entworfen, sondern bei THE BABY OF MACON auch internationale Erfahrung gesammelt. Für das Szenenbild bei DAS EXPERIMENT (2001) und DAS PARFUM (2007) erhielt Uli Hanisch den Deutschen Filmpreis.

 

Kommentare

Derzeit sind noch keine Kommentare vorhanden.