DIE STADT DER ZUKUNFT

Wie die Filmarchitekten Otto Hunte und Erich Kettelhut die Vision von METROPOLIS schufen

„Die Grundidee war, eine Stadt zu bauen, die grösser ist als alles was man kennt. Hochhausbauten, die sich aneinander quetschen und übereinander türmen."

Filmhistoriker Rainer Rother über die Architektur von METROPOLIS

INTERVIEW zu METROPOLIS

 

Interview mit Rainer Rother

Es war das größte Projekt, das bis dahin in Deutschland gedreht worden war: Der monumentale Science-Fiction-Film METROPOLIS von Fritz Lang, der im Jahr 1926 seine Uraufführung erlebte. Mehr als die kolportagehafte Geschichte von Ober- und Unterwelt, Kapital und Arbeit, Reich und Arm beeindruckte schon damals das Szenenbild der Filmarchitekten Otto Hunte und Erich Kettelhut. Ausgehend vom expressionistischen Stil, insbesondere in der Licht-Schatten-Gestaltung, entwarfen sie eine gigantische Zukunftsstadt, die noch heute die Architekturdiskussion beeinflusst.

Die Szene
Der Fabrikantensohn Freder (Gustav Fröhlich), der abgeschirmt in der reichen "Oberwelt" lebt, besucht zum ersten Mal die "Maschinenwelt" der Arbeiter und wird Zeuge eines Unglücks. Eine mit Dampf betriebene Riesenmaschine überhitzt sich durch die Überforderung der Maschinisten, eine Explosion fordert Opfer – und inmitten dieses Chaos zeigt die Maschine plötzlich ihr wahres Gesicht als menschenfressender "Moloch".

Der Künstler
Otto Hunte, geboren 1881 in Hamburg, studierte Architektur und Malerei und wurde danach beim Film nicht nur Szenenbildner, sondern auch Kostümbildner (u.a. DAS INDISCHE GRABMAL). Er zeichnete sich für die Bauten der meisten Fritz-Lang-Filme in Deutschland verantwortlich und war bei METROPOLIS der Leiter des Teams.
Erich Kettelhut, geboren 1893 in Berlin, absolvierte eine Lehre als Bühnenmaler an der Städtischen Oper Berlin und begann im Jahr 1919 als Filmarchitekt zu arbeiten. Gemeinsam mit Otto Hunte und Karl Vollbrecht, mit denen er häufig zusammenarbeitete, entwarf er die Bauten für die exotische achtteilige Monumentalfilmreihe DIE HERRIN DER WELT. Neben METROPOLIS setzte Fritz Lang das Team unter anderem auch für DR. MABUSE, DER SPIELER und DIE NIBELUNGEN ein.

Der Experte
Rainer Rother, geboren 1956, lehrt Filmwissenschaft in Hannover, Hildesheim und Saarbrücken. Er ist Autor zahlreicher Biographien, unter anderem über Stanley Kubrick und Leni Riefenstahl. Rother ist außerdem Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek Berlin.

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