DIE SCHICHTEN EINER FIGUR FREILEGEN

Wie Martina Gedeck ihre Rollen findet, analysiert und lebendig macht

„Ich zeige einen Zustand, in dem die Seele so am Arbeiten ist, dass sie sich nicht mehr auf die Aussenwelt beziehen kann."

Martina Gedeck über ihre Figur in BELLA MARTHA

INTERVIEW zu BELLA MARTHA

 

Interview mit Martina Gedeck

Auf den ersten Blick könnte man einige Klischees mit der Figur der Sterneköchin Martha in Verbindung bringen: Obsessiv, perfektionistisch, emotional gestört. Martina Gedeck zeigt nichts davon. Wie in all ihren Filmen hat sie ihre eigene, komplexe Interpretation dieser Figur geschaffen. Die menschliche Wahrheit, die so zutage tritt, machte den Film BELLA MARTHA (Regie: Sandra Nettelbeck) zu einem Überraschungserfolg – sogar in den USA.

Die Szene
Die Köchin Martha (Martina Gedeck) wird bei der Arbeit in ihrem Restaurant von Trauer um ihre verstorbene Schwester überfallen. Sie redet von der fachgerechten Tötung des Hummers, die jeder Koch beherrschen muss, meint aber im Grunde etwas ganz anderes. Außerdem muss sie nicht nur mit dem Verlust zurechtkommen: Sie wird auch als Ersatzmutter für ihre Nichte Lina (Maxime Foerste) gebraucht, die sie aus dem Krankenhaus abholt.

Die Künstlerin
Geboren 1961 in Landshut und aufgewachsen in Berlin, lernte Martina Gedeck das Schauspielhandwerk am Max-Reinhardt-Seminar. Der Regisseur Dominik Graf entdeckte sie für seine Filme DIE BEUTE und TIGER, LÖWE, PANTHER. In einer Nebenrolle glänzte sie als italienische Kellnerin in ROSSINI, nach BELLA MARTHA häufen sich die großen Kinoprojekte in Deutschland: DAS LEBEN DER ANDEREN, ELEMENTARTEILCHEN, SOMMER 04 und DER BAADER-MEINHOF KOMPLEX. Für THE GOOD SHEPARD arbeitete sie unter der Regie von Robert De Niro erstmals in den USA.

Kommentare

#1
Joachim Steffen (07.05.2011 19:07)
"Spielen für die Ewigkeit" - Interview mit Martina Gedeck
Ich schätze Martina Gedeck als Schauspielerin sehr. Was Sie jedoch zum Thema "Spielen für die Ewigkeit" gesagt hat, hat mich doch sehr bestürzt. Sei meinem zehnten Lebensjahr bin ich ein passionierter Kinogänger und seit den siebziger Jahren sehe ich mir gute Fernsehspiele und Dokumentarfilme an. Was mich am Fernsehen fasziniert, ist die Erinnerungsarbeit, die das öffentlich-rechtliche Fernsehen unbewusst forciert - in der Presse leider nicht wahrgenommen wird.. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres gab es ein Wiedersehen auf dem Bildschirm mit den Schauspielern Günther Lüders, Hans Söhnker, Kurt Felden, Gustav Püttjer, Peter Herden, Carsta Löck, Hela Gruel, Benno Hoffmann, Rolf Boysen, Tana Schanzara, Katharina Mayberg, Sabine Sinjen, Aribert Wäscher, Horst Frank, Carl Lange, Käthe Alving, Peter Voß, Erna Raupach-Petersen, Gerd Ehlers, Peter Chatel - zwanzig von insgesamt über 50 Namen, die ich in meiner kontinuierlichen Spurensuche und Recherche dokumentiert habe. Dazu noch weitere sechzig Namen, die jetzt aktiv sind. Was bleibt sind die Filme, in denen sie Haupt- oder Nebenrollen gespielt haben.
#2
Martin Koralek (17.09.2008 14:01)
Martina Gedeck im Interview
Großartiges Interview! Für mich als Schauspielschüler sehr interessant, was sie erzählt! Vielen Dank!