NAIV, GLÄUBIG, BRUTAL

Wie der Schauspieler Götz George sich die Rolle des Massenmörders Fritz Haarmann erarbeitet hat

„Ich musste diesen abstrakten, surrealen, manchmal etwas irren Text sehr genau lernen. Wir wollten uns exakt an das Protokoll der Verhöre halten."

Götz George über seine Vorbereitung zu DER TOTMACHER

INTERVIEW zu DER TOTMACHER

 

Interview mit Götz George

Es war eine der gewagtesten Ideen des jüngeren deutschen Kinos: Einen Film vollständig nach dem Wortlaut von gerichtsmedizinischen Verhörprotokollen zu drehen, in einem einzigen Raum. Aber was für ein Verhör! Es sind die Geständnisse des homosexuellen Massenmörders Fritz Haarmann, der im Hannover der Zwanzigerjahre mindestens 24 junge Männer umgebracht hat. Der Regisseur Romuald Karmakar, vom Dokumentarfilm kommend, und der Schauspieler Götz George ließen sich auf dieses Wagnis ein – und George wurde beim Filmfestival Venedig mit dem renommierten Schauspielpreis "Coppa Volpi" belohnt.

Die Szene
Der überführte Massenmörder Fritz Haarmann (Götz George) wird vom Psychiater Schultze (Jürgen Hentsch) verhört, ein Stenograph (Pierre Franckh) schreibt alles mit. Sie reden über das Schlachten von Hühnern und Menschen, über die Hinrichtung, die dem Beschuldigten droht, und über den Unterschied zwischen Eis und Schnee. Dieses Gespräch basiert auf den amtlichen Gerichtsakten, die auch als Buch erschienen sind. Hier lassen sich auch die für das Drehbuch vorgenommenen dramaturgischen Umstrukturierungen nachverfolgen (Potsár/Farin: Die Haarmann-Protokolle, 1995)

Der Künstler
Götz George, 1938 in Berlin geboren, ist der Sohn der großen Schauspieler Heinrich George und Berta Drews. Im Jahr 1953 gab er sein Filmdebüt in WENN DER WEISSE FLIEDER WIEDER BLÜHT. Neben Auftritten in Karl-May-Filmen und Thrillern überzeugt er bald auch in ernsten Rollen, zum Beispiel als KZ-Kommandant Rudolf Höß (AUS EINEM DEUTSCHEN LEBEN). Ende der Siebzigerjahre wendet er sich vermehrt dem Fernsehen zu und wird als "Schimanski" berühmt. Seine Ausflüge ins Kino aber sind Highlights des deutschen Films und werden vielfach preisgekrönt, so in DIE KATZE, ABWÄRTS, SCHTONK, ROSSINI und DER TOTMACHER.

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