Jeder Film eine Entdeckung

Wie Thomas Heise Vertrauen zu seinen Helden aufbaut ohne die nötige Distanz zu verlieren.

„Am Ende eines Films weiß man mehr über die Leute, die man porträtiert hat, als die über sich selbst. Es ist meine Verantwortung zu entscheiden, was öffentlich gemacht wird und was nicht.”

Der Dokumentarfilmregisseur Thomas Heise über KINDER. WIE DIE ZEIT VERGEHT.

INTERVIEW zu KINDER. WIE DIE ZEIT VERGEHT.

Interview mit Thomas Heise

Er ist ein Archäologe der geschichtlichen Verwerfungen. Nachdrücklich dementiert er das Versprechen auf „blühende Landschaften“, mit dem Helmut Kohl zum „Kanzler der Einheit“ wurde. Seine Bilder der neuen Bundesländer besitzen keine lyrische Aura. In langen Kamerafahrten zeigt er den Verfall von Städten, Landschaften und Seelen. Der Titel seines Regiedebüts aus dem Jahr 1980 ist kein schlechtes Motto für das gesamte Schaffen dieses außergewöhnlichen Dokumentarfilmers: WOZU DENN ÜBER DIESE LEUTE EINEN FILM? Thomas Heise interessiert sich für Menschen, die sonst nicht im Fokus des Kinos stehen. Er besitzt das einzigartige Talent, sie zu öffnen und zum Sprechen zu bringen. KINDER. WIE DIE ZEIT VERGEHT führt vor, dass dies keine Frage von Beharrlichkeit ist. Heise versteht es, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, die sich vom Verlauf der Geschichte betrogen fühlen.

Die Szene
Thomas Heise besucht seine Protagonistin Jeanette in ihrer Wohnung. Sie spricht über ihr Leben, ihre Träume und Wünsche und über ihre beiden Söhnen Tommy und Paul, die sehr unterschiedliche Charaktere sind.

Der Künstler
Thomas Heise, 1955 geboren, absolvierte eine Druckerlehre, bevor er 1975 bei der DEFA Assistent von so bedeutenden Regisseuren wie Juli Raisman und Heiner Carow wurde. Nach seinem Regiestudium arbeitete er als Dokumentarist und Theaterregisseur. Immer wieder greift er Themen aus früheren Filmen auf, besucht ehemalige Drehorte und Gesprächspartner erneut. KINDER. WIE DIE ZEIT VERGEHT (2008) ist der Abschluss seiner Trilogie über junge Menschen in Halle-Neustadt. Auf sein opus magnum, den Essayfilm MATERIAL (2009), eine Montage unveröffentlichter Aufnahmen von der Wende, lässt er zwei Jahre später SONNENSYSTEM folgen, den er in Argentinien drehte.

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