DAS GESCHENK DER OFFENHEIT

Wie Andres Veiel die Protagonisten seiner Filme zum Reden bringt

„Meine Kamera ist eine Art Seismograf, um Dinge aufzuspüren, die normalerweise nicht sichtbar sind: die tiefere, innere Wahrheit eines Menschen.“

Dokumentarfilmer Andres Veiel über seine Arbeitsweise bei BLACK BOX BRD

INTERVIEW zu BLACK BOX BRD

 

Interview mit Andres Veiel

Gleich mehrere gescheiterte Anläufe musste der Dokumentarfilmer Andres Veiel hinnehmen, bis er den richtigen Ansatz fand, sich mit dem Terrorismus der Rote Armee Fraktion (RAF) auseinanderzusetzen. Seine Idee war es, Motivationen, Gefühle und Lebenswege sowohl der Täter als auch der Opfer zu beleuchten. Er wählte die Geschichten des Bankiers Alfred Herrhausen, der 1989 bei einem Bombenattentat der RAF umkam, und des Terroristen Wolfgang Grams, der sich bei seiner Verhaftung mutmaßlich selbst erschossen hat. Die Hinterbliebenen hatten zunächst Bedenken gegen das Projekt. Veiel warb unerschütterlich um ihr Vertrauen – und wurde schließlich mit großartigen Szenen in seinem Film BLACK BOX BRD belohnt.

Die Szene
Drei dunkelgraue Mercedes-Limousinen fahren hintereinander durch Bad Homburg. Sie symbolisieren den Fahrzeugkonvoi des mächtigen Bankiers Alfred Herrhausen, des Vorstandssprechers der Deutschen Bank. Eine Zeitlupe mit Weißblende markiert den Zeitpunkt, zu dem Herrhausen von einer am Straßenrand platzierten Bombe getötet wird. Traudl Herrhausen, die Witwe des Ermordeten, erinnert sich an den Augenblick des Attentats und die letzten Worte ihres Mannes, bevor er in den Tod fuhr. Es fällt ihr sichtlich schwer, darüber zu sprechen, aber man spürt, dass sie ihrem Gegenüber, dem Dokumentarfilmer hinter der Kamera, Vertrauen entgegenbringt.

Der Künstler
Andres Veiel wird 1959 in Stuttgart geboren. Er studiert Psychologie in Westberlin und absolviert das Internationale Regieseminar am Künstlerhaus Bethanien, unter anderem bei Krzysztof Kieslowski. DIE ÜBERLEBENDEN (1996) ist sein Durchbruch als Filmemacher. Er geht darin dem Schicksal von drei Klassenkameraden nach, die sich nach dem Abitur das Leben genommen haben. Dann folgen BLACK BOX BRD, DIE SPIELWÜTIGEN, eine Studie über vier junge Schauspieler, und das Dokumentarstück DER KICK, das im April 2005 am Theater Basel und am Maxim Gorki Theater Berlin uraufgeführt und als Verfilmung auf der Berlinale 2006 gezeigt wurde.

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