VORREITER UND WADENBEISSER

Die Abenteuer der jungen Filmproduzentin Bettina Brokemper

„Was ist eine Filmfirma ohne einen Film? Nichts – ein Büro mit drei Telefonen und einem Kopierer. Da habe ich gesagt: Okay, dann setze ich jetzt meinen Existenzgründerkredit ein."

Bettina Brokemper über FALSCHER BEKENNER

INTERVIEW zu FALSCHER BEKENNER

Interview mit Bettina Brokemper

Im Mai 2003 wollte es die junge Kölnerin Bettina Brokemper wissen: Sie kratzte ihr Erspartes zusammen, ging zur Bank – und gründete ihre eigene Filmproduktionsfirma "Heimatfilm GmbH". Als Aufnahmeleiterin und Produktionsleiterin hatte sie schon gearbeitet, auch Koproduktionen auf die Beine gestellt – jetzt ging es um den Schritt in die Selbstständigkeit. Mit Christoph Hochhäusler fand sie den Regisseur für ihren ersten eigenen Film, aber kein Fernsehsender und keine Förderung wollte Geld für das gemeinsame Projekt FALSCHER BEKENNER bewilligen. So trug sie das Risiko selbst. Mit Erfolg: Der Film erlebte seine Premiere gleich beim berühmten Cannes-Filmfestival.

Die Szene
Der junge Arbeitslose Armin Steeb (Constantin von Jascheroff), der sich in seiner wohlmeinenden Familie und seiner provinziellen Umgebung vollkommen fremd fühlt, tritt gegen seinen Willen zu einem Vorstellungsgespräch bei einer namenlosen Firma an. Seine Begegnung mit Personalchef Kleine (Thomas Dannemann), der "schnelle Fragen und schnelle Antworten" will, zeigt das tragikomische Elend seiner Situation.

Die Künstlerin
Bettina Brokemper studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film München Produktion und Medienwirtschaft und konnte dank eines Stipendiums für junge Produzenten auch in Los Angeles Berufserfahrung sammeln – unter anderem bei New Line und der Firma Luc Bessons. Sie arbeitet als deutsche Koproduzentin für Lars von Trier (DOGVILLE, MANDERLAY, ANTICHRIST) und für multi-nationale Projekte wie die SYRISCHE BRAUT. Im Jahr 2003 gründete sie ihre eigene Produktionsfirma "Heimatfilm" in Köln und realisierte als ersten Film FALSCHER BEKENNER, der in der Reihe "Un Certain Regard" in Cannes lief. Im Mai 2007 platzierte sie mit GEGENÜBER schon den zweiten Film im offiziellen Programm des Festivals von Cannes.

Kommentare

#1
Manuel (24.04.2009 18:28)
Die Szene
Die Szene ist unglaublich komisch und gleichzeitig auch tragisch. Wie der Personalchef nach der ersten nicht kommenden Antwort auf die Frage der Liebslingsfarbe und der großen Ankündigugn schnelle Fragen zu stellen zurückrudert ist einfach toll umgesetzt und macht Lust den gesamten Film kennen zu lernen.
#2
Dirk Kastaun (25.01.2009 20:13)
Falscher Bekenner
Ich habe den Film erneut in einem Filmseminar gesehen, leider war ich fast der einzige der die große Qualität dieses Films, der es einem natürlich auch inhaltlich als auch ästhetisch nicht leicht macht, erkannt hat. Ein Film dessen Bilder noch lange nachwirken, ein großer deutscher Film, auch wenn es viele nicht merken...
#3
ein Filmfan (07.10.2008 15:45)
Brokemper zu FALSCHER BEKENNER
Sehr sympathisch, sehr sehenswert, sehr interessant. Danke für den Beitrag!