DAS BÖSE IN EINE FIGUR GEBANNT

Wie der Produzent, Szenen-, Kostüm- und Maskenbildner Albin Grau einen Horrorklassiker schuf

p24

„Die Maske im Stummfilm muss die Typisierung schaffen. Sie muss das vermitteln, was sonst die Stimme vermitteln würde."

Filmexperte Michael Farin über den Vampir in NOSFERATU

INTERVIEW zu NOSFERATU

 

Interview mit Michael Farin

Im Jahr 1921 produzierte Albin Grau, der als Grafiker und Gestalter von Filmplakaten begonnen hatte, einen Klassiker des Horrorfilms: NOSFERATU. Er selbst und seine Firma Prana-Film waren in satanistische Aktivitäten verwickelt. Die Geschichte ließ er nach Bram Stokers Roman "Dracula" schreiben, ohne allerdings die Rechte zu besitzen, was später zu großen Verwicklungen führte. So entstand der Film, der durch die unvergessliche Maske, Körperhaltung und Darstellung des Vampirs Nosferatu als visuelles Gesamtkunstwerk in die Filmgeschichte eingegangen ist.

Die Szene
Der Vampir Nosferatu (Max Schreck) hat seine Heimat in der Bergwelt der Karpaten verlassen und ist in der Hafenstadt Wisborg angekommen und bringt Pest und Tod mit. Er will das Blut der jungen Ellen (Greta Schröder) trinken, wird aber vom ersten Hahnenschrei und von der Sonne überrascht. Er stirbt im Licht.

Der Künstler
Albin Grau (1894–1942 (andere Theorien gehen davon aus, dass er erst 1971 gestorben ist) ) war ein deutscher Filmproduzent, Grafiker, Autor, Szenen-, Kostüm- und Maskenbildner. Er studierte an der Kunstakademie Dresden und prägte seine Projekte durch seine vielfältigen Talente. 1920 lernte er den Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau kennen. Gemeinsam drehten sie NOSFERATU. Ein weiterer Stummfilm, an dem er 1923 mitwirkte, war SCHATTEN. Hier lieferte er die Idee, das Szenenbild und die Kostüme. In den zwanziger Jahren war er Leiter der satanistischen Loge Pansophia, und bis Anfang der dreißiger Jahre brachte er die Zeitschrift "Saturn Gnosis" heraus.

Der Experte
Michael Farin, geboren 1953 in Rotenburg/Wümme, studierte Literatur und Philosophie. Er ist Verleger der "Edition Belleville", Übersetzer, Autor und Kurator. Werke u.a.: "Heroine des Grauens - Die Blutgräfin Elisabeth Bathory," "Leopold von Sacher-Masoch - Materialien zu Leben und Werk", "Ed Gein - A Quiet Man", "Die Haarmann-Protokolle". Farin ist Co-Autor von Romuald Karmakars DER TOTMACHER und zahlreichen Hörspielen, darunter Klaus Manns "Mephisto" und Fritz Langs "Metropolis".

Kommentare

#1
Stephan Ahrens (05.01.2009 09:45)
Grau und Murnau
Es mag ja sein, dass Albin Grau Teil einer okkulten Loge war und dass er die Zeitschrift "Saturn Gnosis" in späteren Jahren herausbrachte (Aleister Crowley lernte er auch erst 1925 kennen); aber das mindert in keiner Weise die unglaubliche ästhetische Leistung, die in Nosferatu erbracht wurde. Die haben wir aber vor allem - und das wird auch von Farin zu wenig erwähnt - Friedrich W. Murnau zu verdanken, obwohl Grau die künstlerische Leitung übernahm. Doch es war Murnau, der solch eine Atmosphäre erschaffen konnte, die, so Farin, ja den Film im eigentlichen Sinn ausmacht. In seinem Film "Der letzte Mann" hat Murnau es dann ja auch geschafft, eine Geschichte allein über die Atmosphäre zu erzählen, ihne irgendwelche Zwischentitel - ohne die auch Nosferatu funktionieren. Da Murnau aber nichts mit den Nazis am Hut hatte, wirken diese Verweise auf den angeblichen Hitlergruß vollkommen überinterpretiert und es ist auch keine Vorausdeutung. Beide Murnau und Grau waren vom Studium her Bildende Künstler. Deshalb waren sie im Stande solch eine Atmosphäre zu schaffen.
#2
Redaktion 24 (25.12.2008 15:52)
RE: Albin Grau Redaktion 24
Hallo Gregor, wie Du sicher weißt, gibt verschiedene Theorien darüber, wann Albin Grau gestorben ist. Das erwähnt Michael Farin übrigens auch im Interview mit 24. Viele Grüße von der Redaktion
#3
Gregor (25.12.2008 13:18)
Albin Grau
Albin Grau ist nicht 1942 gestorben. Er starb in den 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts in der Schweiz. Wer dazu nähere Auskunft haben möchte, sollte die Abtei Thelema in Appenzell/Stein anschreiben. Ein Farin hat zusätzlich auch keine Ahnung von AC, da er diesen mit der SA in Verbindung bringt. Der einzige Kontakt den AC jemals mit der SA hatte, waren ein paar Stiefeltritte, welche er von diesen Dreckskerlen in sein Gesicht bekam.
#4
Helios (14.12.2008 20:42)
Pansophia
Die Pansophia als satanistische Loge zu bezeichnen ist sehr schlecht recherchiert. Man sollte doch eher betonen, das Albin Grau einer der größten esoterischen Künstler des lezten Jahrhunderts war und in seiner Schaffenskraft einen AC weit in den Schatten stellte. Übrigens ist sein Lebenswerk in einer Schweizer Loge erhalten geblieben, welche sich rührend noch an seinem Sterbebett um ihn gekümmert haben und über dies hinaus seine einzige Tochter gepflegt haben.
#5
nadine schmitz (13.06.2008 20:43)
Kritik für Schülerprojekt 24
Zunächsteinmal kann man sagen, dass der Filmausschnitt sehr gut gewählt ist, da er die Gestalt des Nosferatu gut zeigt. Im Interview wird ja auch oft darauf hingewiesen, dass der Ausdruck der Gestalt oft im Mittelpunkt steht und in diesem Ausschnitt wird eben Aussehn, Bewegung und Mimik des Vampiers gut gezeigt wird. Auch wenn der Anfang des Interviews etwas verwirrend ist, da es keine Art Einleitung gibt und manchmal die Themen sehr langgezogen werden, wie der Bericht aus der Nachkriegszeit, liefert das Interview interessante Informationen. Denn die Fragen die gestellt werden sind wissenswert, werden gut und verständlich beantwortet und passen vor allem zum Schwerpunktthema "Maskenbild".