Zum Stellenwert des Kostümbildes im Deutschen Film
Podiumsdiskussion zum Stellenwert des Kostüm- und Szenenbildes im Deutschen Film anläßlich der Sonderausstellung "Filmkostüme! Das Unternehmen Theaterkunst" der Deutschen Kinemathek
> Welchen Beitrag leisten Szenen- und Kostümbild in einem Film?
> Wie findet die Zusammenarbeit zwischen den beiden Gewerken statt?
Diese und andere Fragen diskutierten unter Moderation von Ralph Eue die Szenen- und Kostümbildner Lucie Bates, Monika Bauert, Uli Hanisch und Bettina Marx. Es gelang ihnen, dem Publikum anhand konkreter Filmbeispiele einen Einblick in ihren beruflichen Alltag zu geben.
Arbeiten im Schatten der öffentlichen Wahrnehmung
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- Monika Bauert
Befragt nach der öffentlichen Wahrnehmung ihres Berufsbildes ist sich Monika Bauert, Kostümbilderin u.a. von DAS BOOT, sicher:
"In Deutschland existieren wir gar nicht. Uns gibt es nicht."
Alle vier Diskussionsteilnehmer sind sich einig, dass die wenigsten Zuschauer eine Vorstellung davon haben, was zur Arbeit eines Szenen- und Kostümbildners gehört. Auch die Medien würden nicht dazu beitragen, den Beruf einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, da bei Filmberichterstattungen zwar die Namen aller Schauspieler in den noch so kleinsten Nebenrollen genannt würden, selten aber die Kostüm- und Szenenbildner. Die Diskussionsteilnehmer haben mit diesem Mangel an Aufmerksamkeit aber kein Problem. So versichert Monika Bauert:
"Wir leben gut damit."
Uli Hanisch wirft ein, dass seitens der Zuschauer detaillierte Kenntnisse über seine Arbeit gar nicht erforderlich seien. Der bereits für zahlreiche Tom-Tykwer-Filme verantwortliche Szenenbildner kritisiert vielmehr, dass Filmschaffende anderer Sektionen oft keinerlei Kenntnisse über diese beiden Gewerke hätten. Dies sei aber erforderlich, um gut und effizient zusammenzuarbeiten. So hätten einige Produzenten keine Vorstellung davon, welcher Arbeitsaufwand hinter einem Szenenbild stecke und wären daher auch nicht bereit, entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Folglich müssten er und seine Kollegen viel Zeit aufwenden, um sich die notwendigen Mittel zu erkämpfen.
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- Uli Hanisch
Auf eine gute Zusammenarbeit
Eine enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Gewerken sei unabdingbar, stimmen alle Teilnehmer überein. Schließlich werde ihre Arbeit später vom Zuschauer als visuelle Einheit wahrgenommen. So werde vor dem Dreh eine gemeinsame (meist in Zusammenarbeit mit dem Regisseur) Idee gefunden, welche Atmosphäre erzeugt und welche Geschichte erzählt werden soll. Diesem Konzept folgen später sowohl das Szenen- als auch das Kostümbild.
Uli Hanisch führt als Beispiel die im Paris des 18. Jahrhunderts angesiedelte Geschichte DAS PARFUM an, in der man mittels des Szenenbildes die schlechten hygienischen Bedingungen deutlich machen wollte. Genau wie die Kulissen sollten bei dieser Produktion auch die Kostüme schmutzig und abgetragen wirken. Die Maskenbildner führten die Idee wiederum durch fettig aussehende Haare, schwarze Fingernägel usw. fort.
Um solch eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu gewährleisten, sind Grundkenntnisse über den Beruf der Kollegen absolut notwendig, bemerkt Bettina Marx, Kostümbildnerin von REQUIEM. Diese sollten bereits während der Ausbildung an den Hochschulen vermittelt werden.
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- Bettina Marx
Was macht einen guten Szenen-/ Kostümbildner aus?
Monika Bauert, die sich wie alle anderen Gesprächsteilnehmer für den Nachwuchs engagiert, ist überzeugt, dass es neben Kreativität sowohl handwerkliches Geschick als auch einer hohen Belastbarkeit bedarf, um in ihrer Branche erfolgreich zu sein. Uli Hanisch glaubt hingegen, dass vor allem eine Begeisterung für das Kino und der Wunsch Geschichten zu erzählen entscheidend sind.
„Diese Designerbagage, die da rumsitzt und sich darauf freut für den Dreh eine Tapete aussuchen zu können – das ist es halt auch nicht."
Bettina Marx schätzt es zudem als enorm wichtig ein, neben dem Studium bereits so viele praktische Erfahrungen wie möglich zu sammeln. Dies sei für den heutigen Nachwuchs allerdings sehr schwer, da man ihnen als Anfänger kaum die Chance böte, Verantwortung zu übernehmen und eigenständig zu arbeiten.
Wie ihre Kollegin Bettina Marx unterrichtet auch Lucie Bates, Kostümbild von ALLES AUF ZUCKER, Studenten ihres Faches. Dabei sei es ihr ein besonderes Anliegen, dem Nachwuchs zu vermitteln, wie der Berufsalltag tatsächlich aussieht.
Film und Theater – zwei verschiedene Welten
Zwar verdiene man mit der Theaterarbeit weniger Geld, erzählt Bettina Marx, dafür sei sie aber wesentlich diffiziler als die Ausstattung eines Filmes. So würde man mit einer Vielzahl von anderen Gewerken zusammenarbeiten z.B. Hutmachern, Putzmachern oder der Rüstmeisterei. Bei Dreharbeiten seien die Bedingungen auf Grund des enormen zeitlichen und finanziellen Drucks oft sehr schwierig und ließen es kaum zu, wirklich sorgfältig und seinen Vorstellungen entsprechend zu arbeiten.
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- Lucie Bates
Lucie Bates ergänzt, dass man durch die langen Probezeiten bei der Mitarbeit an einer Bühnenproduktion wesentlich stärker im Detail arbeiten könne. Für sie bedeute es Luxus, zwischen beiden Welten wechseln zu können.
Für Monika Bauert sind Theater- und Filmproduktionen zwei vollkommen verschiedene Arbeitsbereiche. Sie schätze ebenfalls die ausführlichen Proben im Theater, die es zuließen zu experimentieren, auszuprobieren und ständig zu verbessern. Beim Film sei oftmals kaum Zeit, um vor dem Dreh Kostümproben stattfinden zu lassen. Dafür hätte man im Gegensatz zum Theater, beide m es nur die Totale gäbe, beim Film eine Vielzahl von Perspektiven zur Auswahl, die dem Kostüm eine ganz andere Wirkungsmöglichkeit im Gesmatkontext Film böten.
„Ohne uns gibt es keinen Film"
Obwohl im fertigen Film ihre Leistung vom Zuschauer kaum bewusst wahrgenommen wird und nur wenig öffentliche und mediale Anerkennung findet, wissen alle vier Podiumsteilnehmer, wie wichtig ihre Arbeit ist. So resümiert Uli Hanisch:
„Ohne uns, die wir die Personen, die Welten und Räume, in denen sie sich darstellen können, überhaupt herstellen, gibt es keinen Film. Das ist doch das, worum es die ganze Zeit geht in der Wahrnehmung."

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