Gabriele Binder über die Zusammenarbeit mit Angelina Jolie bei IN THE LAND OF BLOOD AND HONEY

12.02.2012 | Ein Artikel von Redaktion 24

 

Foto: Wild Bunch (Central)

Alle reden davon, dass das Regiedebüt des Hollywood-Superstars Angelina Jolie IN THE LAND OF BLOOD AND HONEY auf der Berlinale zu sehen ist. Reden wir mal davon, dass die Kostüme für dieses Polit-Drama vom Filmakademie-Mitglied Gabriele Binder stammen, die unter anderem auch für die Kostüme in DAS LEBEN DER ANDEREN und WÜSTENBLUME verantwortlich war.

Wie ist Angelina Jolie auf dich aufmerksam geworden?
Angelina Jolie kannte und schätzte meine Arbeit in DAS LEBEN DER ANDEREN. Zusätzlich wurde ich ihr von Florian Henckel von Donnersmarck empfohlen. Für den Film war ihr die Authentizität der Menschen wichtig. Sie weiß sehr genau, wie stark diese von den Kostümen mitgeprägt wird. Dann rief sie einfach an und stellte zwei Fragen: Was denkst du über das Script? Und: Willst du es machen? Ähnlich unkompliziert gestaltete sich auch die weitere Arbeit mit ihr. Wenn man ihr Vertrauen genießt, lässt sie einem freie Hand, aber sie weiß dennoch sehr präzise, was sie will, öffnet sich neuen Ideen, aber bleibt dabei immer fokussiert.

Thema und Ort des Films gehören weder zum künstlerischen Alltag der Regisseurin noch zu Deinem. Habt ihr euch diesen gemeinsam genähert oder hast du da ohnehin ganz eigene Methoden?
Ich kenne den Balkan sehr gut, sowohl Kroatien wie auch Bosnien, da mein Lebensgefährte (der zudem noch Künstler ist, wie die Hauptfigur des Films) von dort stammt und ich seit Anfang der 90er viel Zeit in der Region verbracht habe und somit die Annäherung an die Mentalität bereits lange und fundiert stattgefunden hatte. Wir mussten uns nicht auf eine reine Internet-, Buch- und Filmrecherche oder Gespräche vor Ort stützen. Dazu kamen dennoch die Fotoreportagen von Tom Stoddart, die uns stark beeinflussten. Ich wurde auch mit privatem Bildmaterial von Freunden meines Mannes versorgt, um nicht zu sagen überschwemmt.

Foto: Florian Liedel

 

 

Angelina hatte die Region mehrfach bereist und sich ein großes Bildarchiv angelegt, was emotional sehr präzise die Stimmung wieder- und auch die künstlerische Richtung vorgab. Vom ersten Gespräch an hatten wir beide das Gefühl, uns sehr gut zu verstehen, speziell, wenn es darum ging, wie sich emotionale Inhalte und Entwicklungen im Bild manifestieren könnten. Ihr war außerdem wichtig, dass der Film einen Farb-Look bekam, der eindeutig auf den Balkan (und Osteuropa) verweist. So wurde eine Blau-Braun-Grau-Gelb-Skala charakteristisch, wenn auch nicht sklavisch durchgehalten. Angelina Jolie ist ausgesprochen aufgeschlossen, Dinge immer wieder neu oder anders zu sehen – oder die Widersprüche des Lebens willkommen zu heißen. Sobald die Arbeit mit dem rein serbokroatisch-bosnischen Cast begann, war sie immer bereit, das Drehbuch an den Darsteller und seine Möglichkeiten und Erfahrungen anzupassen. Was übrigens zu einem enormen Engagement seitens des Ensembles führte. Die Idee war, etwas über den Konflikt zu lernen und die Hoffnung, die Lernergebnisse im Film durchschimmern lassen zu können.

 

Sie wollte auf keinen Fall eine Seite verurteilen, sondern darstellen, was der Krieg mit allen Seiten macht, also keine politischen Verfälschungen zu Gunsten einer Seite. Aus diesem Grund hatten wir auch zwei Militärberater – einen bosnischen und einen serbischen. Überhaupt war die Darstellung des Militärs (eigentlich fast alle männlichen Rollen) schwierig, weil während des Krieges die Serben von Oliv zu Camouflage wechselten und die Bosnier einige Zeit keine „bosnische“ Uniform im eigentlichen Sinne hatten, sondern mit Lieferungen aus verschiedenen Ländern bestückt wurden und daher eine Mischung von Uniformteilen verschiedenster Herkunft mit Zivilklamotten trugen. Ein wichtiger Zweck der Uniform ist ja die Erkennbarkeit der jeweiligen Zugehörigkeit. Die Verwirrung, die der Zuschauer empfindet, entspricht also dem Kriegsalltag.

 

Foto: Wild Bunch (Central)

 

Internationaler als IN THE LAND OF BLOOD AND HONEY kann ein Film kaum sein – amerikanische Regisseurin, südosteuropäischer Cast, Crew unter anderem aus Mitteleuropa. Gibt es ein Kino-Esperanto, mit dem man sich bei einer solchen Arbeit verständigt?

Aufgrund der kurzen Zeit, die der Krieg zurückliegt, schien der Moment noch nicht reif, in Bosnien oder Serbien zu drehen. Angelina wollte keine frisch vernarbten Wunden aufreißen, und natürlich war das Drehbuch geheim. Es kursierten viele Gerüchte, was zu einer Verunsicherung verschiedenster Kriegsopfergruppen in Bosnien und Serbien führte. Daher wurde Budapest zum Hauptdrehort – wegen der verwandten Architekturstrukturen, der Studios und dem relativ besseren Angebot an Fachpersonal.

Die Keypositions hinter der Kamera waren allerdings alle eingereist, Amerikaner , Australier, Engländer, Franzosen. Z. B. der Director of Photography Dean Semler (DER MIT DEM WOLF TANZT), der Maskenbildner Tony G. (PLANET DER AFFEN, INDIANA JONES), der einen unglaublich künstlerischen Umgang mit Blut und Wunden pflegte und unsere Patricia Rommel (DAS LEBEN DER ANDEREN) für den Schnitt. Ansonsten bestanden die Departments aus ungarischen Mitarbeitern. Die schnelle, konstruktive Arbeitsweise der Amis und die oft nicht so eigeninitiativ ausgerichtete Arbeit der ungarischen Crew stellten die eigentliche große Herausforderung dar. Viele Ungarn sprachen nur ungarisch, so auch mein Supervisor, was zu einigen überraschenden Situationen führte. Entsprechend wurde auch viel gelacht.

Wir drehten den Film in zwei Sprachen (Englisch + Serbokroatisch), was von den Darstellern sehr begrüßt wurde und nicht zu den erwarteten Verzögerungen führte. Angelina ist sehr begeisterungsfähig, und das wirkte sehr motivierend auf uns alle.

 

 

 

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