Schnitt
Schneiden und Montieren
Wie Filmbausteine zu Kino werden
I. EINFÜHRUNG: Unsichtbare Filmlotsen
Wenn die Dreharbeiten abgeschlossen sind, hält man einen Film gemeinhin für fertig. Das Gegenteil ist richtig, vieles wird erst in der Postproduktion gestaltet. „Im Schneideraum schreibt man die letzte Fassung des Films [...]“, erklärt Cutterin Mathilde Bonnefoy im 24-Interview und betont, dass ihre Arbeit mit der eines Drehbuchautors eng verwandt sei. In der Schnittphase wird die Geschichte des Autors mit dem vorhandenen Filmmaterial dramaturgisch verändert erzählt.
Filmschnitt umfasst auch keineswegs nur das Herausschneiden unbrauchbarer Filmaufnahmen. Seine wichtigste Aufgabe ist das ästhetische und künstlerische Zusammenfügen der einzelnen Einstellungen zu einem harmonischen Gesamtwerk. Da sich der im Deutschen gebräuchliche Begriff Schnitt jedoch vorwiegend auf die technische Fehlerkorrektur, das Wegschneiden, beschränkt, spricht man mittlerweile eher von Montage bzw. ‚Editing’.
Filmmontage ist ein sehr zeitaufwendiges Handwerk – ein etwa 90- bis 120-minütiger Kinofilm benötigt im Durchschnitt allein drei bis fünf Monate für den reinen Bildschnitt –, das sich für den Zuschauer, sofern es die Bildaussage nicht anders erfordert, weitgehend unsichtbar macht: Wenn ein Film funktioniert, also die Auswahl und Kombination der Bilder, timing, Tempo und die filmische Kontinuität stimmen, dann ist er erfolgreich geschnitten worden. Im Drehbuch muss sich der Film vorab gut lesen lassen, aber erst im Schneideraum entsteht die Fassung, die wir auf der Leinwand sehen.
II. WISSEN: Einstellung – Szene – Sequenz
II.1 Historische Stationen der Schnittgestaltung
Ganz frühe Filmaufnahmen bestanden lediglich aus einer einzigen, knapp einmütigen Kameraeinstellung und wiesen noch keine Schnitte auf. Erst die Hinwendung von dokumentarischen zu fiktiven Stoffen machte Schnittgestaltung für die Filmerzählung interessant. Aufgrund einer technischen Panne – ein Filmstreifen verfing sich während der Aufnahme in der Kamera und erzwang eine kurze Pause – entdeckte der französische Filmkünstler Georges Méliès 1896 eher zufällig eine Schnitttechnik als Vorstufe der Montage: Die sog. Stopptrick-Technik gestattete es in Folge, Darsteller aus dem Bild verschwinden zu lassen und erste Effekte umzusetzen.

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