Tongestaltung
Hörkino

Wie der Sound zum Film entsteht

I. EINFÜHRUNG: Auf der Jagd nach Geräuschen

„Jeder Film muss einen charakteristischen Ton haben“, fordert Tongestalter André Bendocchi-Alves im 24-Interview, und diesen spezifischen Klang gestalten er und seine Kollegen. Dafür zeichnet die Ton-Crew am Drehort alle Dialoge und O-Töne auf, kreieren Sounddesigner Stimmungen, erfindet der Geräuschemacher künstlich das Geräusch zu einer Handlung und verweben Mischtonmeister abschließend alle Elemente zu einem passenden Klangteppich.

So wie die Kamera das Drehbuch bebildert, vertonen Geräusche und Klänge das Bild. Denn auch Geräusche erzählen. Der Zuschauer muss gar nicht sehen, dass eine zweite Person hinter der Hauptfigur den Raum betritt, allein das Quietschen der Tür verrät sie schon. Und im Alltag erkennen wir einen vertraut klappernden Schlüsselbund oder einen Automotor und wissen intuitiv, wer im nächsten Moment in der Wohnung stehen wird.

Die größten Schwierigkeiten bereiten auch nicht die ausgefallenen, lärmenden Geräusche wie Flugzeuge oder Schlachtgetümmel, sondern eine dezente, filmtaugliche Vertonung und natürliche Geräusche wie menschliche Schritte. Einfaches Gehen in Turn- oder Hackenschuhen, wütendes Aufstampfen, eilig nach dem Bus rennen, joggen... – es gibt allein unzählige Arten zu laufen. Das ist der kreative Bereich, in dem sich ein Geräuschemacher wirklich beweisen muss. Mit seiner Kunst sorgt er dafür, dass wir Kino nicht nur sehen, sondern auch hören – und im besten Fall wird uns seine Arbeit nicht einmal bewusst!

II. WISSEN: Akustische Phantasie

II.1 Was ist ein Ton?

Die uns umgebenden Geräusche und Klänge sind, genau genommen, schwingende Luftteilchen, die wie ein Uhrpendel benachbarte Luftteilchen ebenfalls zum Schwingen bringen und so kontinuierliche Schallwellen erzeugen, die wir als Ton wahrnehmen. Schall wiederum ist akustische Energie, die sich – ähnlich wie bei Wellen, die entstehen, wenn man einen Stein ins Wasser wirft – mit einer Geschwindigkeit von mehr als 300 Metern pro Sekunde in der Luft ausbreitet.

Als physikalisches Phänomen betrachtet, gibt es im Wesentlichen zwei Parameter: die Stärke der Schwingung und ihre Geschwindigkeit – Lautstärke und Frequenz. Fachleute unterscheiden anhand dieser Größen zwischen reinen Tönen, Klängen und Geräuschen.

Reine Töne bestehen nur aus einer einzigen Frequenz, die im Alltag so gut wie nie vorkommt. Am nächsten kommen ihr das Telefonfreizeichen, eine Stimmgabel oder ein Flötenton. Klänge setzen sich hauptsächlich aus einem wohl geordneten Gemisch einzelner Frequenzen und Geräusche aus einem chaotischen Frequenz-Mix zusammen. Für unser menschliches Ohr sind die Grenzen zwischen diesen Unterscheidungen relativ fließend. Wir verwenden Klang, Ton und Geräusch im Alltag deshalb überwiegend synonym.

abb. und da ist die bu

Abb.1: Graphische Darstellung einer ‚Ding-Dong‘-Klingel