Produktion
Faszination Film

Wie die Idee ins Kino kommt

I. EINFÜHRUNG: Der Produzent als kreativer Vermittler

Um einen Kinofilm professionell herzustellen, arbeiten sehr viele unterschiedliche Menschen und Berufsgruppen mehrere Wochen oder Monate lang intensiv zusammen. Die zentrale Aufgabe des Produzenten ist es, alle Beteiligten zu engagieren, sie zu einem Filmteam zu formen und die Produktion wie ein Expeditionsleiter mit Durchhaltevermögen, Selbstvertrauen und viel Motivationskraft von der ersten Idee über das Drehbuch bis zum Vertrieb des Kinofilms zu führen.

Seine Arbeit beginnt bereits mit der Faszination und dem sicheren Gespür für einen Stoff, aus dem eine interessante Filmidee erwächst, von der sowohl potenzielle Geldgeber als auch Filmschaffende überzeugt werden müssen. Trotz hoher Risiken und möglicher Widerstände darf der Produzent als Kopf einer Filmproduktion seine Vision nie verlieren, sondern muss sie wie einen roten Faden durch den Entstehungsprozess des Films mitnehmen und in die kreative Arbeit seines Teams integrieren. Wer andere miteinander verbinden, lenken, aber auch gestalten kann und zudem kaufmännisches Geschick besitzt, hat gute Voraussetzungen, ein erfolgreicher Produzent zu werden und nicht nur sein Team, sondern auch die Zuschauer für Filme zu begeistern.

II. WISSEN: Von der Idee bis an die Kinokasse

Das landläufige Vorurteil, ein Produzent denke permanent nur an sein Budget, ist zweifellos nicht ganz falsch, aber die Finanzen sind längst nicht alles: In gewisser Weise müssen Produzenten Alleskönner sein, die – in enger Abstimmung mit den einzelnen Filmschaffenden – über fünf Phasen die gesamte Entstehung eines Films steuern. Obwohl sie vorrangig für den organisatorischen Rahmen, die interne Kooperation und repräsentative Aufgaben einer Filmproduktion zuständig sind, sollten sie zumindest kleine Einblicke in jedes Gewerk besitzen, um die Tuchfühlung mit ihren kreativen Mitarbeitern nicht zu verlieren.

II.1 Die Vorproduktion

Während der Vorproduktion wird ein Filmprojekt erdacht, beschrieben, gründlich durchgeplant und zunächst einmal nur auf dem Papier finanziert. Bis zu den Dreharbeiten vergehen in dieser Entwicklungsphase deshalb nicht selten Monate oder sogar Jahre.

Bei der Stoffentwicklung geht es darum, aus einer Filmidee im Drehbuch filmische Bilder zu entwickeln und für diese ein überzeugendes Umsetzungskonzept zu erstellen.

Idee

Kooperation mit Autoren, Verlagen, Sendern und anderen Ideengebern

Bevor eine Idee verfilmt werden kann, muss der Produzent zunächst die Rechte am Originaldrehbuch oder der literarischen Vorlage erwerben. Der Drehbuchautor schreibt anhand dieser Vorlage das Drehbuch für die Verfilmung. Die Rechte an der Drehbuchfassung müssen bei einer filmischen Adaption ebenfalls vom Produzenten gekauft werden.

Finanzierung

Kontakt mit Förderanstalten, TV-Sendern, Koproduzenten, Verleihern und Sponsoren

Kaum ein deutscher Film kann sich aus einer einzigen Geldquelle finanzieren. Deshalb recherchiert ein guter Produzent bereits frühzeitig die Marktsituation und akquiriert interessierte TV-Sender, Sponsoren und Fördermittel.

Entwicklung des Drehbuchs

In Zusammenarbeit mit Drehbuchautor, Regisseur, Redakteur, Dramaturg und Lektor

Mit dem genauen Studium von Exposé und Treatment beginnt die eigentliche, kreative Arbeit am Filmprojekt. Das Drehbuch muss den geplanten Film bereits so gut wie möglich simulieren. Jede Szene wird auf ihre filmische Stimmigkeit ebenso wie auf ihre finanzielle, organisatorische und technische Realisierbarkeit überprüft. Noch können Ideen ohne größere Verluste geändert, gekürzt und an die finanziellen Mittel angepasst werden.

Das ‚Packaging’ fürs ‚Pitching’

In Zusammenarbeit mit Regisseur, anvisierten Darstellern und dem Casting Director

Wenn das Filmvorhaben so weit gediehen ist, dass potentielle Partner einen Eindruck des späteren Films bekommen können, wird das Projekt beim sog. ‚PitchingVerleihern, Koproduzenten, TV-Redaktionen und Förderinstitutionen präsentiert. Der Produzent und sein Produktionsleiter fertigen im Vorfeld soz. ein kleines Paket (engl. ‚package’) an, das die erworbenen Rechte nachweist, bereits das endgültige Drehbuch enthält sowie den gewünschten Regisseur, mögliche Stars und konkrete Vorstellungen zur Finanzierung verrät.

Die Projektentwicklung konkretisiert die ersten Planungen. Jetzt klärt sich, ob sich der Film überhaupt realisieren lässt und wie er ggf. finanziert wird.

Drehplan und Budgetierung

Zusammenarbeit mit Redakteuren, Regisseur und Assistent, Ausstatter, Aufnahmeleiter, Mitfinanziers, Versicherungen, Juristen und Banken

Der Drehplan ist das strukturelle Grundgerüst der Dreharbeiten. Er legt ihren Ablauf und die Drehtage fest. Schauspieler können entnehmen, wann sie Aufnahme haben, Regisseur und Kameramann, in welcher Reihenfolge Szenen gedreht werden sollen, ob Komparsen, Spezialeffekte, Stunts o.ä. benötigt werden. Um so zeit- und kosteneffizient wie möglich zu arbeiten, sind im Drehplan auch das Budget und organisatorische Faktoren berücksichtigt. Der Produzent kalkuliert bis ins Detail die zur Verfügung stehenden Geldmittel und erarbeitet parallel einen Budgetplan, der die Filmproduktion finanziell gewährleistet.

Greenlight’ für ‚die heiße Phase’

Kooperation mit Filmteam, Behörden und der Presse

Bis zu diesem Moment ist alles nur Planung und die bereits investierten Gelder gehen womöglich verloren, doch sobald die Finanzierung gesichert ist – also ‚grünes Licht’ gegeben wurde –, beginnt die ‚heiße Phase’! Das detailgenaue Konzept wird nun Stück für Stück in die Tat umgesetzt: So müssen dem Drehplan entsprechend Darsteller und Filmteam engagiert, Drehorte gefunden, Ateliers und Bauten eingerichtet, letzte Verträge und Versicherungen unterschrieben sowie Drehgenehmigungen eingeholt werden.