Kostüm
Der Stoff, aus dem die Kinoträume sind
Wie Filmfiguren eingekleidet werden
I. EINFÜHRUNG: Kleider machen Leute
Die Erinnerung des Zuschauers an Filmcharaktere ist eng verknüpft mit ihrer Kleidung – was wäre eine Comicverfilmung ohne Superheldenkostüm oder die bayerische Komödie ohne Dirndl? Verantwortlich dafür ist das Kostümbild eines Films. Es gibt Auskunft über die Persönlichkeit der handelnden Figuren und deren Wandlung innerhalb der Geschichte. Es illustriert ihr Alter, historische und soziale Kontexte, Beruf und Status, Anlässe und das Milieu, in dem sie sich bewegen.
Filmkostüme sind deshalb nicht einfach nur Kleider, sondern ebenso narrative Elemente wie Dialoge, Kameraeinstellungen, Montage oder Filmmusik. Sie unterstützen eine Rolle und legen eine bestimmte Figureninterpretation nahe. Bei der Auswahl von Form, Farbe, Material, Schnitt oder Accessoire bleibt nichts dem Zufall überlassen, damit ein Darsteller in ein Kostüm schlüpfen und sich dadurch dem Charakter seiner Filmrolle annähern kann: Kleider machen Leute und Kostüme schaffen Schauspieler!
II. WISSEN: Schnittmuster, Hüte und Lackschuhe
II.1 Vom Entwurf zum Filmkleid
So wie man morgens vor dem gefüllten Kleiderschrank gelegentlich umständlich nach dem passenden Outfit sucht, ist auch die Entscheidung für ein Schauspielkostüm oft langwierig. Neben pragmatischen Überlegungen hat sie immer auch etwas mit erwünschten Wirkungen zu tun. Gute Kostüme verstärken die Haltung oder Verhaltensweise eines Charakters, sodass ein Darsteller sich in seiner Filmkleidung zwar ‚zu Hause’ fühlt, zugleich aber die Haltung der Filmrolle überstreift.
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- © 1978 Ingrid Zoré Kostümentwurf für Cilly (Sydne Rome) in: SCHÖNER GIGOLO, ARMER GIGOLO
- Ausgangspunkt einer Kostümidee ist die intensive Auseinandersetzung mit dem Drehbuch. Alle Filmfiguren müssen stilistisch passend gekleidet und erste Ideen in Kostümauszügen festgehalten werden. Ziel ist es, eine stimmige Kleiderdramaturgie zu formen, die den Film optisch prägt.
- Nach umfangreichen Milieu- und Epochenstudien entwickelt ein Kostümbildner Figurinen, die später als Anschauungsmaterial für den Regisseur sowie die Szenen- und Maskenbildner dienen. In gemeinsamen Gesprächen werden die künstlerischen Intentionen abgestimmt und potenzielle Kosten kalkuliert.
- Obwohl ein Kostümbildner die Filmkleidung kreiert und nicht selbst näht – neben seiner künstlerischen Leitung sind auch die Directrice, Zuschneider, Schneider, Hutmacher oder Rüstmeister am Entstehungsprozess beteiligt –, nimmt er die erforderlichen Körpermaße der Schauspieler und fertigt Schnittmuster an.
- Entsprechend den künstlerischen Vorgaben und im Rahmen des von ihm verantworteten Kostümetats organisiert er die benötigten Kostüme und Accessoires, überwacht ihre Herstellung sowie alle Anproben.
- Während der Dreharbeiten betreut hauptsächlich der Garderobier die Darsteller und Kostümwechsel am Set. Der Kostümassistent steht indessen für kurzfristige Änderungen und die Materialbearbeitung zur Verfügung.
- Nach Beendigung der Dreharbeiten müssen alle Kostüme ordnungsgemäß zurück gegeben bzw. eingelagert und letzte Verpflichtungen mit den Werkstätten, Lieferfirmen oder Kostümdepots abgewickelt werden.

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