Musik
Der Herzschlag des Films
Damit Kino ins Ohr geht
I. EINFÜHRUNG: Musik im Ohr, im Kopf, im Bauch
Der Radiowecker holt uns morgens aus dem Bett, auf dem Weg zur Arbeit haben wir den MP3-Player dabei, beim Bankberater empfängt uns ein klassischer Klangteppich und abends läuft im Supermarkt Einkaufsmusik – Musik durchdringt fast alle Bereiche unseres Lebens, und nicht selten ist von ihrer verbindenden Kraft die Rede.
Für Filmmusik gilt dies sogar in besonderem Maße: Sie spinnt die Geschichte entlang eines unsichtbaren emotionalen Fadens. Dabei werden durch den Rhythmus unsere Atmung und der Herzschlag beeinflusst, Lautstärke oder extreme Tonfrequenzen regen das vegetative Nervensystem und vor allem unsere Gemütsbewegungen an. Filmmusik stimuliert unsere Gefühle derart, dass wir nur filmisch Miterlebtes dennoch selten missverstehen: Wir trauern oder freuen uns ohne realen Anlass und verspüren Angst ohne unmittelbare Bedrohung.
Filmmusiker wollen diese Emotionen gezielt freilegen. Das heißt nicht, dass sie uns unbegrenzt mit Musik überfrachten, aber es deutet bereits auf die umfassenden Möglichkeiten von Filmmusik hin: Sie kann leicht als Hintergrundrauschen verschlissen, ebenso sehr jedoch als filmisches Stilmittel eingesetzt werden: Film war in seinen Anfängen stumm, aber niemals ohne Musik!
II. WISSEN: Hören und Fühlen
II.1 Historische Stationen der Filmmusik
Filmmusik entstand parallel zur aufstrebenden Filmkunst im ausgehenden 19. Jahrhundert und entwickelte sich entlang der wechselvollen Geschichte von Kinopalästen und Tonfilm bis hin zum Fernsehen. Zunächst untermalten Klavierspieler die Stummfilme mit Hilfe von Stichwortlisten, den sog. ‚Cue-Sheets’. Im Laufe der Jahre wurden aus den Einzelkünstlern vollwertige Orchester, deren Musik immer gezielter auf den jeweiligen Film ausgerichtet war und das Publikum noch emotionaler an den Film band. Erst seit der Einführung des Tonfilms werden Geräusche und Musik elektronisch aufgezeichnet, synchronisiert und auf die Filmhandlung abgestimmt wiedergegeben.

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