Kamera/Licht
Das objektive Auge
Wie Kamera und Licht einen Film visualisieren
II.2 Lichtgestaltung – Die Kunst des schönen Scheins
Wo Licht ist, da ist auch Schatten, heißt es sprichwörtlich nach Johann Wolfgang von Goethe. Für den Film gilt das umso eindringlicher: Schatten erzählen von Licht und ohne Licht wären Farben, Formen, Räume und Menschen überhaupt nicht sichtbar. Licht ist deshalb das zentrale Element beim Drehen, es schafft Stimmungen und Atmosphäre – nicht ohne Grund wurden Kinos früher als Lichtspieltheater bezeichnet. Die Art und Weise, wie es eingesetzt wird, ist abhängig vom jeweiligen Genre und den individuellen Fähigkeiten des Kamerateams.
Grundsätzlich stehen beim Drehen zwei Lichtkategorien zur Verfügung, die sich in ihrer Farbtemperatur unterscheiden: Tageslicht, also natürliches Licht, hat je nach Sonnenstand und Bewölkungsdichte mehr bläuliche Anteile, während Kunstlicht ins Orangerötliche tendiert. Wenn beide Lichtarten parallel auftreten, spricht man von Mischlicht.
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- Skizze zum Lichteinfall, © 2008 Deutsche Filmakademie e.V.
Ähnlich wie bei der Kamerabewegung macht es auch für den Lichteinfall einen Unterschied, aus welcher Richtung oder mit welcher Intensität das Licht von der Kameralinse eingefangen wird.
Vorderlicht, das der Kameraachse folgend auf das Motiv fällt, leuchtet eine Szene hell aus und negiert Schatten, sodass Gesichter und Figuren flach wirken. Gegenlicht ist wiederum nur eingeschränkt brauchbar, weil es die Kamera und damit den Zuschauer blendet.
Beleuchtung wird deshalb in der Regel als Streif- oder Seitenlicht schräg zur Kameraachse gesetzt und durch ergänzende Lichtquellen nivelliert. Man unterscheidet demzufolge Führungslicht, was handelnde Personen direkt ausleuchtet, von Fülllicht, welches dunkle Partien erhellt. Sogenannte Akzentlichter können darüber hinaus Signifikantes anstrahlen, so z.B. wenn bei einer im Schatten gehaltenen Person punktuell das Gesicht beleuchtet wird, um ihre Mimik zu zeigen.
Abgesehen vom handwerklich korrekten Einsatz der Lichtquellen, sind Kameramann und Beleuchter auch für die erwünschte Lichtwirkung der jeweiligen Einstellung verantwortlich. Beim Normalstil werden die Lampen so angeordnet, dass alle Details deutlich zu erkennen sind und der Eindruck einer gleichmäßige Ausleuchtung entsteht.
Sind Räume oder Personen hingegen nur gedämpft beleuchtet und durch ein generell niedriges Lichtniveau gekennzeichnet, spricht man vom Low-Key-Stil, der Licht selektiv verwendet, um Gegensätze nachdrücklich zu kontrastieren und damit den Blick des Zuschauers in dramatischer Form auf das Hauptmotiv zu lenken. Der High-Key-Stil leuchtet eine Szene hell und im Extremfall beinah transparent aus. Er weist auf einen glücklichen Ausgang des Geschehens und betont Zuversicht, Freude und Optimismus. Diese Form der umfassenden Ausleuchtung darf keinesfalls mit der Überbelichtung verwechselt werden.

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