Kamera/Licht
Das objektive Auge
Wie Kamera und Licht einen Film visualisieren
Um einen Sachverhalt auch bildlich aus mehreren Blickwinkeln darzustellen, stehen dem Kameramann verschiedene Kameraperspektiven zur Verfügung.
-
- Jürgen Vogel in: DIE WELLE, Foto: © 2008 Constantin Film
Meistens wird in Augenhöhe, das heißt aus der normalen Sicht einer stehenden oder sitzenden Person, gefilmt. Um den Eindruck von Kraft, Größe und Ehrfurcht zu erwecken, wählt man die Froschperspektive von unten. Aus einer höheren Position, der Vogelperspektive, vermittelt der Kamerablick zwar Übersicht, zugleich aber auch Überlegenheit, da der Zuschauer durch die Kamera auf den Darsteller herabblickt.
Die bisherigen Gestaltungselemente bezogen sich vor allem auf das Kamerabild, dessen Rahmen wie bei einer Fotografie an die Grenzen des Kameraobjektivs gebunden ist. Film lebt jedoch gerade von Bewegung! Der Zuschauer, der die dargestellte Bildfolge als Kamerabewegung nachvollzieht, wird somit in das Geschehen integriert.
- Im Stand nimmt die Kamera ein Motiv unverändert aus einer Perspektive wahr.
- Der horizontale Schwenk, die üblichste der Grundbewegungen, ist mit dem Hin- und Herbewegen eines Kopfes vergleichbar. Mit jedem Schwenk verändert sich der Bildausschnitt, den die Kamera zeigt. Nach dem gleichen Prinzip bewegt sich die Kamera beim Neigen, wenn der gezeigte Bildausschnitt auf der vertikalen Achse variiert wird.
- Die Kamerafahrt ist sinngemäß eine Bewegung mit dem ganzen Körper. Da sie den Eindruck erwecken kann, man fahre in einem Wagen, existieren demzufolge mehrere Fahrtentypen wie Zu- oder Rückfahrt, Parallelfahrt, Aufzugsfahrt oder Kreisfahrt.
Nicht nur die Kamera selbst, auch die gefilmten Objekte oder Personen können sich bewegen. Sie tun dies entweder vom Zuschauer weg ins Bild hinein, auf den Zuschauer und die Kameralinse zu oder parallel zum Bildrand. Diese lokalen Veränderungen werden als Bewegungen auf Bildachsen beschrieben: Der Blick durch die Kamera verläuft entlang der sog. Kameraachse, die Handlung spielt sich auf der Handlungsachse ab.
-
- Skizze eines Achsensprungs, © 2008 Deutsche Filmakademie e.V.
Besonders deutlich wird das Verhältnis von Kamera- und Handlungsachse, wenn beide auf einer Achse liegen und ein Schauspieler dem Publikum unmittelbar in die Augen blickt. In Gesprächssituationen ist die Kamera allerdings meistens so aufgebaut, dass sie sich senkrecht zur Handlungsachse befindet und der Zuschauer die Sprechenden deutlich als links bzw. rechts im Bild befindlich identifizieren kann. Wechselt die Kamera – z.B. um einen Dialog als Schuss-Gegenschuss aufzunehmen – in dieser Situation ihren Standort, indem sie die Handlungsachse kreuzt, spricht man vom sog. Achsensprung.

Page 1
