Casting
Auf der Suche nach Talenten
Wie man das Gesicht zum Film findet
II.3 Die Vorbereitung für ein Casting
Selbst guten Schauspielern genügt nicht allein ihre Begabung, sie müssen sie auch präsentieren können. Das geschieht in erster Linie mit einer aussagekräftigen Bewerbung und guten Fotos. Um mit ihren schauspielerischen Fähigkeiten auch visuell zu überzeugen, produzieren viele Darsteller zusätzlich ein kurzes Demoband auf DVD, das vor allem in seiner Gesamtheit wie eine gelungene Visitenkarte überzeugen muss.
- Auf dem Band sollte sich ein stimmiger Zusammenschnitt von Filmsequenzen der bisherigen Schauspielengagements befinden. Wichtig ist es, ausdrucksstarke und für den Schauspieltyp charakteristische Szenen auszuwählen.
- Um das Persönlichkeitsbild des Schauspielers zusätzlich zu unterstreichen, kann mitunter eine musikalische Untermalung des Mitschnitts hilfreich sein. Er sollte jedoch sorgfältig gewählt sein und mit der jeweiligen Rolleninterpretation harmonieren.
- Am Anfang des Demobandes müssen der Name des Darstellers, am Ende Kontaktmöglichkeiten und die betreuende Agentur eingeblendet werden.
- Auch die DVD-Hülle und das Booklet bieten die Möglichkeit, neben formalen Angaben wie dem Namen und der Bandlänge mit Fotografien und graphischen Elementen in kreativer Weise auf sich aufmerksam zu machen.
Wenn die Bewerbungsunterlagen überzeugen konnten, ist die erste große Hürde genommen und der Schauspieler hat die Chance, sich bei einem Vorsprechen oder in einem persönlichen Gespräch mit seinen handwerklichen Fähigkeiten vorzustellen. Oftmals müssen dafür einige vom Regisseur zuvor ausgewählte Drehbuchszenen vorbereitet werden. Um sich der angestrebten Filmrolle so gut wie möglich anzunähern, bedarf es neben der Unterstützung durch professionelle Dienstleister wie Stimm- und Atempädagogen vor allem einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Filmcharakter und dem Drehbuch.
Wie erarbeitet man sich eine Filmrolle?
- Frage Dich, in welchem seelischen und körperlichen Zustand sich Deine Figur in der Szene befindet und was Du mit Deiner Interpretation ausdrücken willst und warum.
- Orientiere Dich in Gedanken auch räumlich in der Szene: Wo kommt die Figur her und wo will sie hin?
- Stelle Dir vor, womit die Figur möglicherweise gekleidet ist und wie sich dadurch z.B. Deine Körperhaltung verändert.
- Halte Dir vor Augen, womit Deine Figur beschäftigt ist (Rauchen, Kochen, Lesen...) und wie sie in der betreffenden Szene handelt.
- Sammle, wenn möglich, zusätzliche Informationen zu Deiner Rolle und erarbeite Dir das Milieu oder die historische Zeit genauer.
- Beschäftige Dich intensiv mit den Dialogen und mache Dir die Sprache der Rolle zueigen.
- Entwirf unter Umständen einen fiktiven Lebenslauf für Deine Rolle, in dem Du Besonderheiten und prägende Lebensstationen festhältst.
- Erfinde Dir den Subtext, falls er im Drehbuch nicht notiert ist, selbst und lerne zumindest in Grundzügen auch den Text Deines Partners, sodass Dir Reaktionen glaubwürdig gelingen.
- Wiederhole die Szene im Vorfeld oft genug und lass Deine Authentizität durch kritische Freunde überprüfen – Du sollst spielen, aber keinesfalls theatralisch wirken.

Page 1