Casting
Auf der Suche nach Talenten

Wie man das Gesicht zum Film findet

II.2 Der Castingprozess

Castings laufen ebenso wie die Filme, die gedreht werden sollen, nicht immer nach dem gleichen Muster ab. Je nach Produktion lassen das Budget und der Zeitplan eine aufwendigere Suche nach den richtigen Schauspielern zu.

Auftrag

Ergeht in der Regel von Produktionsfirma oder Regisseur

Wenn ein Casting Director bzw. seine Castingagentur gebeten wurde, geeignete Darsteller für einen geplanten Film zu finden, beginnt ein langwieriger Abstimmungsprozess zwischen Produzent, Regisseur, Schauspielern und TV-Redaktionen, den der Casting Director ergebnisorientiert als Mittler moderiert und vorantreibt. Da er im Gegensatz zu Schauspielagenten nicht an der Gage der Schauspieler partizipiert, kann er unabhängig und mit offenen Augen nach der idealen Besetzung für die Sprechrollen suchen.

Drehbuchlektüre

Als Arbeits- und Diskussionsgrundlage für die Besetzung

Um überhaupt gute Besetzungsideen entwickeln zu können, sind ein Verständnis für dramaturgische Zusammenhänge und die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Filmstoff unabdingbar. Deshalb liest der Casting Director das Drehbuch, entwickelt erste Rollenvorstellungen im Kopf, erarbeitet ein eigenes inhaltlich-künstlerisches Besetzungskonzept und tauscht sich darüber mit dem Regisseur aus. In ausführlichen Gesprächen klärt sich schnell, ob beide Seiten bereits ähnliche Vorstellungen haben und welche Gagen das Budget potenziell zulässt.

Erstauswahl

In der Talentdatenbank, in
Internetarchiven, Agenturkatalogen und nach den Wünschen des Regisseurs

Ob freier oder angestellter Casting Director, die Grundlage jeglicher Besetzungsvorschläge ist die eigene Talentdatenbank. Im Idealfall wird der Casting Director hier schon fündig und kann rasch erste Vorschläge präsentieren – etwa 5-10 pro Sprechrolle –,
Fotos zusammenstellen, Demobänder organisieren und überprüfen, inwieweit die Darsteller terminlich verfügbar wären. Für Statistenrollen oder Kinder und Jugendliche sind in der Regel spezialisierte Castingagenturen zuständig.

Talentsuche

An Schauspielschulen, Theatern, im Fernsehen, Zirkus, bei Festivals, auf der Straße usw.

Sofern sich der Regisseur bewusst für eine noch unbekannte Besetzung entscheidet, genügen vorliegende Demobänder, Agenturkataloge oder Internetarchive oft nicht. In solchen Fällen dehnt der Casting Director seine Suche auch auf Ausbildungs-stätten, Schauspieltreffen u.ä. aus oder schaltet in seltenen Fällen einen Castingaufruf in den Medien. Allerdings ist selbst für einen nicht prominent besetzten Film ein Schauspielstar oft wichtig. Er lockt Zuschauer mit höherer Wahrscheinlichkeit in die Kinos und überzeugt mögliche Geldgeber.

Vorsprechen

Vor Casting Director, Regisseur und Produzent

Nachdem potenzielle Darsteller eingeladen wurden, obliegt dem Casting Director die Organisation, Durchführung und Leitung des Vorsprechens, bei dem die Schauspieler die Chance erhalten, sich z.B. durch ein ‚Cold Reading’ kurz zu präsentieren. Man unterscheidet offene Castings, an denen jeder teilnehmen kann, von geschlossenen Castings, zu denen speziell eingeladen wird und die von den Darstellern oft bereits mit ausgewählten Szenen des Drehbuchs vorbereitet werden müssen

Entscheidung

Nach Abstimmung mit dem Casting Director letztendlich durch Regisseur und Produzent

Die Entscheidung für oder gegen einen Schauspieler trifft der Casting Director stets im Dialog mit seinen Auftraggebern. Ob ein Darsteller die Verantwortlichen überzeugen kann, ist abhängig...

  • ... von seiner schauspielerischen Leistung und der Glaubwürdigkeit, mit der er die jeweilige Rolle verkörpert und eine Figur greifbar macht.
  • ... von persönlicher Ausstrahlung, der äußeren Erscheinung und seiner Präsenz vor der Kamera.
  • ... von seiner Fähigkeit bzw. Eignung für das gewünschte Filmgenre.
  • ... von individuellen Fähigkeiten (z.B. Dialekte, Tanz, Sportarten).
  • ... vom Zusammenspiel der Schauspieler. Für einen funktionierenden Film ist ein gelungenes Ensemble sehr wichtig. Ein Casting Director achtet deshalb auch auf Spannungen, Dissonanzen oder Harmonie zwischen den Bewerbern.